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Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
in Dresden.
Herausgegeben
von dem Redaktions - Komitee.
1 1
Jahrgang 1904.
Januar bis Juni.
Mit 16 Abbildungen im Text und 1 Karte.
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Dresden.
r" ^ er K. Sachs. Hofbuchhandlung H. Burdach.
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Redaktions -Komitee für 1904.
Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude.
Mitglieder: Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller, Prof. Dr. W. Hallwachs, Pro>
Dr. R. Heger, Prof. Dr. E. Kalkowsky, Dr. B. Schorler und Oberlehrer D
J. Thallwitz.
Verantwortlicher Redakteur: Hofrat Prof. Dr. J. Deich müller.
Inhalt,
A. Sitzungsberichte.
I. Sektion für Zoologie S. 3. — Heller, K.: Flügelloses Weibchen von Pachypus
caesus , Australiens Menschen und Tiere, neue Literatur S. 3. — Schorler, B. :
G-allionella ferruginea , neue Literatur S. 3. — Thallwitz, J.: Kleintierwelt des
Moritzhurger Grofsteiches S. 3. — Thümer, A.: Neue Standorte von Orchis globosa
und 0. ustulata S. 3. — Viehmeyer, H.: Pseudogyne Arbeiterform von Formica
sanguinea S. 3.
II. Sektion für Botanik S. 3. — Drude, 0.: Flora von Java S. 4; Laubwechsel von
Holzgewächsen der Tropen, Zusammenhang von Blattvariation und ökologischen Faktoren
S. 6; Vorlage von Photographien S. 5 und der Nachbildung eines Deckengemäldes S. 6;
geographische Verbreitung der Moschusochsen, mit Bern, von K. Deninger S. 5. —
Haupt, H. : Biologie adriatischer Meeresalgen S. 5; Mifsbildung von Anemone
narcissifiora S. 6. — Naumann, A.: Naturwissenschaftliches aus den österreichischen
Küstenländern, Literaturvorlage S. 5. — Scheidhauer , R.: Biologie der Wasservege¬
tation des Grödler Kanals S. 5. — Schiller, K.: Neue Literatur S. 5. — Schorler, P
Chinarindenbäume, botanische Ergebnisse der belgischen Südpolarexpedition S. 4; 1
reicherungen der Flora Saxonica S. 6; Vorlage von Photographien S. 5. — Vie
meyer, H.: Künstliches Gipsnest zur Beobachtung von Ameisen, Dinar da- Form
S. 5. — Worgitzky, E.: Blütenbiologie der Gattung Saxifraga S. 6.
III. Sektion für Mineralogie und Geologie S. 6. — Deninger, K.: Geologisches a
Sardinien S. 7. — Kalkowsky, E.: Flufsspat und Kalkspat vom Oltschikopf S
Graphit von Ceylon, Phosphoreszenz des Quarzes, neue Literatur S. 7. — Mann,
Zinnerzlagerstätten im sächsischen Erzgebirge S. 6; neue Fossilfunde an der Tepl'
Strafse inDresden, Kupfererzlagerstätten von Klingenthal- Grafslitz S.7. — Wagne
Diluvium in Nordeuropa S. 6.
IY. Sektion für prähistorische Forschungen S. 7. — Deichmüller, J.: Bu
von Schaddel, zeitliche Gruppierung der Urnenfelder S. 8; neue Funde in de.
gebungen von Dresden und Leipzig, Verbreitung der steinzeitlichen Niederlassu
in Sachsen S. 9; neue Literatur S. 7. — Deninger, K.: Über Pygmäen S. 8
Döring, H. : Wälle bei Nauberg, Köllmichen und Förstgen S. 7; Vorlagen S. 1
Ebert, 0.: Bandkeramik der steinzeitlichen Gräberfelder und Wohnplätze bei Woi
S. 7; Ansichtskarten von Hünengräbern S. 8. — Jentsch, A. : Burgstätte und ai
Waldzeichen gegenüber dem Bahnhof Klotzsche S. 7. — Klähr, M.: Steinzeitlicht
Niederlassung von Piskowitz, ürnenfunde von Schwochau S. 9. — Mann, 0 •
zeitliche Wandmalereien in den französischen Höhlen S. 9.. — Sieber, (
von Gefäfsen und Münzen S. 7.
Y. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie S. 10. — ^
Osmose und ihre Anwendung in ^er Technik S. 10. — “
Prozesses S. 10. — f , H.: Lu
Sitzungsberichte
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1904,
I. Sektion für Zoologie.
Erste Sitzung am 14. Januar 1904. Vorsitzender: Oberlehrer Dr.
J. Thallwitz. — Anwesend 35 Mitglieder und Gäste.
Dr. B. Schorler legt vor:
Göldi, A. : Album de aves amazonicas, Fase. 1—24. Zürich 1902.
Prof. Dr. K. Heller legt vor:
Houlbert, C. : Les insectes ennemis des livres. Paris 1903;
Wandolleck, B. : Die Stethopathidae, eine neue Hügel- und schwingerlose
Familie der Diptera. Zoolog. Jahrb. 11. Bd., 1898,
und zeigt und bespricht das flügellose Weibchen von Pacliypus caesus
(Koleoptere).
Der Vorsitzende hält einen Vortrag über die Kleintierwelt des
Moritzburger Grofsteiches. Zur Erläuterung dienen zahlreiche mikro¬
skopische Präparate.
Zweite Sitzung am 2. Juni 1904 (in Gemeinschaft mit der Sektion
für Botanik;. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. J. Thallwitz. — Anwesend
37 Mitglieder.
Prof. Dr. K. Heller spricht in längerem Vortrage über Australiens
Menschen und Tiere mit Vorlage von Bildern und Photographien.
Lehrer H. Viehmeyer trägt über die pseudogyne Arbeiterform
von Formica sanguinea Latr. vor und demonstriert diese Formen.
Dr. B. Schorler spricht über Gallion eil a ferruginea, eine Eisen¬
bakterie. Zur Veranschaulichung dienen mikroskopische Präparate und
Vorlagen aus der Literatur über das Objekt.
Direktor A. Thürner meldet neue, von ihm festgestellte Standorte
von Orchis globosa L. und Orchis ustulata L.
II. Sektion für Botanik.
Erste Sitzung am 21. Januar 1904. Vorsitzender: Dr. B. Schorler.
— Anwesend 32 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude bespricht das kürzlich von der bota¬
nischen Bibliothek der K. Technischen Hochschule angeschaffte, bereits im
4
zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts erschienene prächtige Abbildungs¬
werk von C. L. Blume und J. B. Fischer: „Flora Javae“. Brüssel 1828,
und weist auf die pflanzengeographisch interessante Verbreitung javanischer
Pflanzen in der Jetztzeit und Vorzeit hin.
Dr. B. Schorler spricht über die Chinarindenbäume ( Cinchona )
mit Vorlage des Herbarmaterials aus der botanischen Sammlung
und referiert sodann über die botanischen Ergebnisse der bel¬
gischen Südpolar-Expedition (Belgica 1897 — 99) an der Hand der
bisher erschienenen Arbeiten von Cardot und Stephani über die Moose
und von Wainio über die Flechten. Da diese Arbeiten schwer zugäng¬
lich sind, so seien hier ihre Ergebnisse kurz mitgeteilt.
Als Einleitung’ zu seiner Bearbeitung der auf der belgischen antarktischen Expe¬
dition durch Racovitza gesammelten Moose gibt Cardot eine pflanzengeographische
Übersicht über die Verbreitung der Moose im australen Südamerika von 45 °S. an, also
in dem südlichen Teile des antarktischen Waldgebietes von Grisebach (magellanischer
Busch wald Drudes). Verfasser rechnet noch die Falklands - Inseln diesem Gebiete zu.
Im australen Südamerika sind bisher 227 Moosspezies aufgefunden worden, davon sind
149 Arten endemisch. Unter diesen ist die Gattung TJlota mit 14 Spezies sehr stark
vertreten, dann folgen Dicranum mit 11,, Barbula und Campy/opus mit je 8, Blindia
mit 7, Bacomitrium mit 6 endemischen Arten. Die pleurocarpischen Moose treten sehr
zurück. Das ganze Gebiet hat nur eine einzige endemische Gattung, nämlich Hymenocleiston
(Splachnaceae) mit der einen Art H. magellanicum Dub. Von tropischen Formen sind
noch vorhanden 5 Macromitrium , 1 Schlothrimia , 2 Syrrhopodon und von den Hooke-
riaceen 5 Distichophyllum , 1 Mniadelplius und 3 Pterygophyllum. Als negative Charaktere
der Moosflora dieses Gebietes werden das vollständige Fehlen der Leucobryaceen, der
Fissidentaceen, der Gattungen Dicranella , Mnium, Pogonatum , Thuidium und Bhyn-
chostegium angeführt. Die magellanischen Moose weisen in ihrer Verbreitung auf nahe
Beziehungen zu den nördlicheren Teilen der pazifischen Küste: 38 Arten sind beiden
gemeinsam. Eine noch giöfsere Verwandtschaft besteht jedoch, den Phanerogamen ent¬
sprechend, zwischen dem magellanischen Buschwald und den südlicheren Ländern des
pazifischen Ozeans, Neuseeland, den Aucklands -Inseln, Tasmanien und selbst dem süd¬
östlichen Teile von Australien. Nicht weniger als 50 Arten sind diesen weit entfernten
Ländern gemeinsam. 24 Arten kommen noch auf den Kerguelen vor.
Aus den südlichen Teilen des antarktischen Gebietes waren bisher 1 Phanerogame,
nämlich das Gras Aira antarctica, das auf Südshetland unter 60— 63° S. Br. gesammelt
worden war, dagegen 15 Algen und Flechten und 3 Moose, nämlich 1 Bryum , 1 Didy-
modon (?) und 1 Barbula bekannt. Sie waren 1843 durch Hooker auf der kleinen Insel
Cockburn unter 64° 12' S. Br. aufgefunden worden. Weitere Phanerogamen konnten in
diesen Breiten auch durch die Expedition der Belgica nicht konstatiert werden, dafür
aber eine grofse Zahl von Moosen, Flechten und Algen. Die Zahl der zwischen dem
64. und 65. Breitengrade an den Steilküsten der Gerlachestrafse (im Dirck-Gherritzarchipel,
im Stielerschen Handatlas als Bismarckstrafse bezeichnet) aufgefundenen Moose beträgt
einschliefslich der 3 Lebermoose 30. Darunter sind 15 neue Arten und 9 von sehr
weiter Verbreitung. Die letzteren sind die auch bei uns verbreiteten Ceratodon pur -
pureus , Distichium capillaceum , Grimmia Doniana, Webera nutans und W. cruda,
Pogonatuwi alpinum , Polytrichum strictum , Hypnum uncinatum und H. revolutum.
Die 15 neuen Arten weisen nahe Beziehungen zu arktischen Formen auf, und Cardot
betont, dafs die antarktische Mooswelt in ihrer Gesamtheit die gröfsten Ähnlichkeiten,
ja selbst gemeinsame Züge mit der der arktischen Region und sehr wenig nur mit der
der magellanischen Länder aufweist.
Das gilt in gleicherweise von den Flechten, die von Wainio bearbeitet wurden.
Er konnte in der Sammlung Racovitzas von der Gerlachestrafse 55 Spezies feststellen.
Davon sind 21 Arten (38, is %) auch in äer arktischen und gemäfsigten Region Europas
verbreitet und hier meist gemein. 29 Spezies sind neu oder endemisch. Und nur 9 Arten
oder 16,36 °/0 sind sowohl der antarktischen Region wie dem magellanischen Gebiet ge¬
meinsam. Dagegen wachsen die 3 Lebermoose, welche auf der Expedition der Belgica
zwischen dem 64. und 65. Breitengrade gefunden wurden, nach den Feststellungen
Stephanis sämtlich auch auf Südgeorgien, wo sie die deutsche Valdiviaexpedition
sammelte.
5
Weiter zeigt Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude die schönen Photo¬
graphien aus der „arktischen Flora“ von Gunnar Ander sson (in Hettners
Geograph. Zeitschr. 1901) vor.
Zweite Sitzung am 10. März 1904 (in Gemeinschaft mit der Sektion
für Zoologie). Vorsitzender: Dr. B. Schorler. — Anwesend 35 Mitglieder
und Gäste.
Lehrer H. Viehmeyer legt ein von Ch. Janet konstruiertes künst¬
liches Gipsnest zur Beobachtung von Ameisen vor, sowie die Be¬
schreibung des Apparates in Ch. Janet: „Appareils pour Fobservation
des fourmis et des animaux myrmecophiles“ (Mem. soc. zoolog. de France X,
1897, S. 302) und E. van Overloop: „Les fourmis de M. Charles Janet“.
Brüssel 1897.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude trägt über die geographische
Verbreitung der Moschusochsen vor.
Dazu bemerkt Dr. K. Deninger, dafs der Moschusochs im Dilu¬
vium von Wiesbaden gefunden worden sei, die bis jetzt bekannte süd¬
lichste Fundstelle.
Dr. A. Naumann gibt als Frucht einer um Ostern vorigen Jahres unter¬
nommenen Reise einen Vortrag: Naturwissenschaftliches aus den
österreichisch en Küstenländern, unter Vorführung zahlreicher Licht¬
bilder und Vorlegung von gegen 100 Charakterarten, die auf grofsen Papp¬
tafeln nach Formationen geordnet aufgezogen waren.
Aufserdem zirkuliert R. d e Visiani: „Flora Dalmatica“. Leipzig
1842—52; Suppl. 1872, aus der botanischen Bibliothek der K. Technischen
Hochschule.
Lehrer H. Viehmeyer macht Mitteilungen über Dinar da- Formen
und legt einige derselben vor.
Dritte Sitzung am 17. März 1904 (Floristenabend). Vorsitzender:
Dr. E. Worgitzky. — Anwesend 24 Mitglieder und Gäste.
Privatus K. Schiller legt verschiedene Neueingänge aus der Isis¬
bibliothek vor:
Zunächst im Anschlufs an den Vortrag in der vorigen Sitzung eine gute
Abbildung einer Moschusochsengruppe in dem 21. Jahresbericht des
Museums in Milwaukee;
dann die mit zahlreichen schönen Abbildungen ausgestatteten Arbeiten über
die Wald Verhältnisse Nordamerikas von H. Gannet: „The forest
of Oregon“ und von A. Dodwell und Th. Rixon: „Forest condi-
tions in the Olympic Reserve, Washington“ (U. St. geolog. survey,
profession. papers No. 4 und 7).
Dr. H. Haupt trägt vor über die Biologie adriatischer Meeres¬
algen und
Ingenieur R. Scheidhauer über die Biologie der Wasservege¬
tation des Grödler Kanals.
Dr. B. Schorler legt zwei tadellose Photographien alter Taxus¬
bäume vor, die von Dr. Naumann, Mitglied der Bautzner Isis, aufge-
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nommen und der botanischen Bibliothek der K. Technischen Hochschule
geschenkt worden sind.
Die eine ist die Abbildung der gröfsten Eibe Sachsens, welche in dem Dorfe Ostritz
in der Oberlausitz steht und eine Höhe von 9 m hat bei einem Stammumfang (in 1 m
Höhe) von 2,33 m. Sie wurde zuerst von Dr. Ko rsch eit- Zittau beschrieben. Die andere
stellt die stärkste Eibe Deutschlands dar, nämlich die zuerst von Prof. Dr. Czech-
Breslau erwähnte Eibe von Katholisch-Henuersdorf bei Lauban. Sie hat eine Höhe von
12,50 m, einen Stammumfang am Wurzelhalse von 5,65 m, 1,30 m über dem Boden noch
von 5,03 m und oben gerade vor der Teilung von 5,57 m.
Hierauf gelangen die Bereicherungen der Flora Saxonica in den
beiden letzten Jahren zur Vorlage und Besprechung. (Vergl. Abhandlung IV.)
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude bespricht die verkleinerte farbige
Nachbildung eines Deckengemäldes von Frau CI. Ziegler-Frankfurt,
welches in Kranzform die für den phänologischen Jahreszyklus wichtigen
Blütenpflanzen zur Darstellung bringt.
Dr. H. Haupt demonstriert noch eine Mifsbildung von Anemone
narcissiflora von der grofsen Schneegrube des Itiesengebirges.
Vierte Sitzung am 6. Juni 1904 (im K. Botanischen Garten). Vor¬
sitzender: Dr. B. Schorler. — Anwesend 28 Mitglieder und Gäste.
Dr. E. Worgitzky hält einen Vortrag über die Blütenbiologie der
Gattung Saxifraga im Anschlufs an eine Arbeit von A. Günthart in
Luerssens Bibliotheca botanica, Heft 58, 1902, unter Vorlage zahlreichen
lebenden Materials aus dem Garten.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude spricht an der Hand einer Arbeit von
G. Volkens-Berlin über den Laubwechsel vieler laubabwerfenden
Holzgewächse in den Tropen und
hierauf über den Zusammenhang von Blattvariation und öko¬
logischen Faktoren. Diese ,, ökologischen Variationen“ werden an be¬
blätterten Eichenzweigen aus dem Garten demonstriert.
III. Sektion für Mineralogie und Geologie.
Erste Sitzung am 4. Februar 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal-
kowsky. — Anwesend 37 Mitglieder.
Dr. 0. Mann spricht über die Zinnerzlagerstätten im sächsischen
Erzgebirge.
An der Diskussion beteiligen sich Oberlehrer Dr. P. Wagner und der
Vorsitzende.
Prof. Dr. E. Kalkowsky spricht über Flufsspat und Kalkspat in
Krystallerde am Oltschikopf im Berner Oberland.
Zweite Sitzung am 7. April 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal¬
kowsky. — Anwesend 46 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer Dr. P. Wagner spricht über das Diluvium in Nordeuropa.
7
An der Diskussion beteiligen sich Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude,
Prof. Dr. E. Kalkowsky, Dr. 0. Mann und der Vortragende.
Dritte Sitzung am 9. Juni 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. E. Kal¬
kowsky. — Anwesend 23 Mitglieder.
Prof. Dr. E. Kalkowsky bespricht die Werke von A. Pelz: „Geologie
von Sachsen“ Leipzig 1904, und R. Brauns: „Das Mineralreich“. Stutt¬
gart 1908, legt Graphit von Ceylon vor und demonstriert die sogenannte
Phosphoreszenz des Quarzes.
Dr. 0. Mann berichtet über die neuen Fossilfunde an der Teplitzer
Strafse in Dresden auf Grund der Bearbeitung derselben durch Dr. W.
Petrascheck (vergl. Abhandlung 1) und
spricht über Kupfererzlagerstätten von Klingenthal-Grafslitz.
Dr. K. Deninger hält einen Projektionsvortrag über Geologisches
aus Sardinien.
IY. Sektion für prähistorische Forschungen.
Erste Sitzung am 7. Januar 1904. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr.
J. Deich müll er. — Anwesend 18 Mitglieder.
Taubstummenlehrer 0. Ebert hält einen Vortrag über die Band-
keramik der steinzeitlichen Gräberfelder und Wohnplätze in der
Umgebung von Worms, im Anschlufs an die Veröffentlichung von Dr. C.
Koehl in der Festschrift zur 34. allgemeinen Versammlung der Deutschen
anthropol. Gesellschaft in Worms 1903.
An den Vortrag schliefst sich eine längere Aussprache an.
Lehrer em. J. A. Jentsch spricht über eine Burgstätte gegenüber
dem Bahnhof Klotzsche und die darauf bezüglichen alten Wald¬
zeichen.
Privatus G. Sieber legt eine Anzahl vor- und frühgeschichtlicher
Gefäfsreste von Grofsgrabe, Bernsdorf und Kamenz vor, ferner
Brakteaten und Münzen aus dem 14. Jahrhundert, sowie Gefäfse,
in denen solche Münzen gefunden worden sind.
Zweite Sitzung am 3. März 1904. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr.
J. Deichmüller. — Anwesend: 30 Mitglieder.
Der Vorsitzende legt vor:
British Museum: A guide to the antiquities of the bronze age in the
department of British and Mediaeval antiquities. Mit 10 Tafeln und
148 Textbildern. London 1904.
Oberlehrer H. Döring spricht über die Wälle bei Nauberg und
Köllmichen und einen von ihm entdeckten, in der Literatur bisher nicht
erwähnten Burgwall bei Förstgen,
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Das kleine Dorf Förstgen (ca. 250 Einwohner) liegt gegenüber von Bahnhof Grofs-
bothen bei Grimma am rechten Muldenufer, etwa 3,5 km von der Vereinigung beider
Mulden entfernt, da, wo der Thümmlitzbach aus dem gleichnamigen Walde heraustritt
und in die Mulde fliefst. Vom Dörfchen aus ist der Wall ca. 1,4 km nach Osten entfernt
und zwar noch im Waldrevier auf Schneise 5, wenig nördlich von Flügel A gelegen.
Die umwallte Stelle hat eine Seehöhe von 156 m, der Spiegel des Thümmlitzbaches
am Fufse des Hanges liegt 140 m hoch, so dafs sich eine relative Höhe von 16 m ergibt.
Der Wall wird im Volksmunde als „Schwedenschanze“ bezeichnet. Er hat ungefähr
die Form eines Halbkreises und einen Umfang von ca. 300 Schritt. Der Wall, welcher
aus Steinen und Erde erbaut ist, ist ca. 1 m hoch, stellenweise auch ein wenig höher.
Innerhalb des Wallraumes ist ein weiterer Wallteil, parallel zum Aufsenwall, zu er¬
kennen, so dafs man ihn wohl zu den Doppelwällen rechnen darf.
Der Burgwall liegt auf fiskalischem Gebiet und zwar im Staatsforst Thümmlitz-
wald. Funde sind bisher von dieser Stelle nicht bekannt geworden.
Die Sage berichtet von einem hier verborgenen Schatz, und dafs oft zu mitter¬
nächtlicher Stunde Licht an diesem Ort zu sehen sei.
Vermutlich ist die Anlage in slavischer oder gar germanischer Zeit entstanden.
Ob er als Kultstätte oder als Zufluchts- und Verteidigungsplatz gedient hat, läfst
sich heute bei dem gänzlichen Mangel an Bodenfunden und an sonstigen Überlieferungen
nicht entscheiden.
Der Vorsitzende macht auf den Burgwall von Schaddel auf dem
linken Muldenufer, oberhalb Kloster Nimbschen, aufmerksam, auf dem
slavische Gefäfsreste in grofser Zahl gefunden worden sind.
Dr. K. Deninger hält unter Vorführung von Lichtbildern und Vorlage
verschiedener Veröffentlichungen einen Vortrag über Pygmäen. (Vergl.
Abhandlung II.)
Taubstummenlehrer 0. Ebert legt eine Sammlung Ansichtskarten
von Hünengräbern der Provinz Hannover, herausgegeben von P.
Feldheim -Hannover, vor.
Hofrat Prof. Dr. J. Deichmüller spricht über die zeitliche Grup¬
pierung der Urnenfelder.
Nach Hinweis auf die Arbeiten von R. Virchow und M. Weigel (Niederlausitzer
Mitteil. 1889, Bd. I, S. 387), durch welche der Begriff „Lausitzer Typus“ aufgestellt bez.
enger begrenzt wurde, und von A. Voss und G. Stimming: „Vorgeschichtliche Alter¬
tümer aus der Mark Brandenburg“ 1890, geht Vortragender auf die Veröffentlichung
von H. Jentsch: „Die Thongefäfse der Niederlausitzer Gräberfelder“ (ebenda 1891, Bd. II,
S. 1) ein, in welcher der erste umfassendere Versuch gemacht wurde, die Brandgräber¬
felder der Niederlausitz zeitlich zu gruppieren. Jentsch stellte drei Gruppen auf: eine
ältere, deren auffallendste Gefäfsform das Buckelgefäfs ist; eine mittlere, als Blütezeit
des Niederlausitzer Typus bezeichnete, die durch breite horizontale Kehlstreifen und
aneinander gereihte, in wechselnder Stellung schraffierte Dreiecke als Verzierungs¬
elemente charakterisiert wird; eine jüngste, innerhalb welcher die scharfkantigen, ge¬
brochenen Profillinien der beiden älteren Gruppen verwischt und gerundetere, schlankere,
vasenartige Formen vorherrschend geworden sind. Einen weiteren Beitrag zur Klärung
der Altersfrage lieferte 1897 A. Götze in seiner „Vorgeschichte der Neumark“.
Als neueste Arbeit auf diesem Gebiete erschien dann 1903 die Abhandlung von
A. Voss: „Keramische Stilarten der Provinz Brandenburg und benachbarter Gebiete“
(Zeitschr. für Ethnologie, 35. Jhrg., S. 161). Abgesehen von einer noch ungenügend
bekannten keramischen Gruppe der frühesten Metallzeit, ordnet der Verfasser die Ton-
gefäfse der Gräberfelder des behandelten Gebietes in vier Typen, für deren ältesten, den
„Lausitzer Typus im engeren Sinne“ die mehr oder minder breiten, horizontalen Kanne¬
lierungen und Bogenfurchen, letztere oft in Verbindung mit Buckel Verzierungen (Buckel-
gefäfse) charakteristisch sind. Dieser in Mitteldeutschland weit verbreitete, aus der
jüngeren Bronzezeit bis in die Hallstattzeit hinein reichende Typus wird allmählich
abgelöst durch den „Aurither Typus“, dessen eigenartige Verzierungsmotive in Punkt¬
reihen und Systemen von feinen, meist von Punktreihen eingefafsten Parallellinien be¬
stehen. Derselbe beginnt in der Hallstattzeit und endet in der LaTenezeit; sein Ver¬
breitungsgebiet ist ein schmaler Streifen, der sich von Thorn bis zum Harz, bez. vom
Havel- und Spreetal bis an die Grenze des Königreichs Sachsen erstreckt. Nördlich
9
davon hat sich im Odergebiet unter Beeinflussung durch Hallstattformen der „Göritzer
Typus“ ausgebildet; südlich schliefst sich der „Billendorfer Typus“ an, dessen weitgehende
Verwandtschaft mit dem Hallstatttypus unverkennbar ist und dessen Hauptformen vasen¬
artige Gefäfse mit bauchigem Unterteil, fast ebenso hohem, nach oben gleichmäfsig ver¬
engtem Hals und breitem, schrägem Mündungsrand darstellen; mit ihm werden Eisen¬
beigaben eingeführt. Gegen Ende der Hallstattzeit ist das früher vom „Lausitzer Typus“
eingenommene Gebiet in die drei archäologisch zusammengehörigen Gebiete des „ Aurither“-,
„Göritzer“- und „Billendorfer Typus“ zerfallen, an welche sich im Nordosten bis zur
Ostsee noch das Gebiet der „Gesichtsurnen“ anschliefst.
Der Vortragende wendet sich nun zu den Urnenfeldern des Königreichs Sachsen
und betont, dafs er, entgegen der Auffassung des „Lausitzer Typus“ durch Voss, an der
von Jentsch aufgestellten Zweiteilung der älteren Urnenfelder in eine Gruppe mit Buckel-
gefäfsen und in eine solche mit kannelierten Gefäfsen nach seinen bisherigen Erfahrungen
festhalten müsse. Beide Gruppen sind in Sachsen durch typologisch gut bestimmte
Gräberfelder vertreten, auch ist ihr Verbreitungsgebiet nicht dasselbe. Während sich
die Urnenfelder mit Buckelgefäfsen von der sächsischen Lausitz aus westwärts über die
Elbe bis nach dem nordwestlichen Sachsen (Mockau bei Leipzig) verbreiten, fehlen
die kannelierten Gefäfse im östlichen Sachsen vollständig (die Ostgrenze liegt in der
Gegend von Radeburg). . In der letzteren Gruppe macht sich auch der Einflufs des
„Aurither Typus“ nicht unwesentlich bemerkbar. Der „Billendorfer Typus“ ist in der
Hauptsache über das Gebiet zwischen Elbtal und Lausitz verbreitet und hier durch eine
Anzahl gröfserer Gräberfelder (u. a. Tolkewitz, Löbtau, Stetzsch, Röderau, Kamenz,
Bautzen, Kleinsaubernitz) vertreten. Westlich der Elbe kommt er nur ganz ver¬
einzelt vor.
Die Ausführungen des Vortragenden werden durch eine gröfsere Zahl von Gefäfs-
typen erläutert.
Dritte Sitzung am 5. Mai 1904. Vorsitzender: Hofrat Prof. Dr.
J. Deich mü 11er. — Anwesend 34 Mitglieder.
Der Vorsitzende bespricht neue Urnenfelder aus der Umgebung
von Dresden: von Klotzsche und am Osterberg bei Cossebaude (beide
mit Buckelgefäfsen), von Kleinpestitz (Billendorfer Typus) und Tolkewitz
(Billendorfer Typus und La Tenezeit), weiter Funde aus slavischen Herd¬
stellen nördlich von Kleindölzig bei Leipzig und eine Kugelamphore
von Cröbern bei Leipzig.
Oberlehrer M. Klahr berichtet über eine neue steinzeitliche Nieder¬
lassung mit Bandkeramik von Piskowitz bei Zehren und über Urnen¬
funde von Schwochau bei Lommatzsch (Lausitzer Typus).
Im Anschlufs hieran gibt der Vorsitzende an einer Karte eine Über¬
sicht über die steinzeitlichen Niederlassungen in Sachsen, deren
Zahl gegenwärtig etwa 45 beträgt.
Oberlehrer H. Döring legt ein neuerdings bei Mockritz gefundenes
Flachbeil aus Grünstein und einen Becher des Billendorfer Typus
aus dem Gräberfeld von Löbtau vor.
Dr. 0. Mann hält einen Vortrag über die steinzeitlichen Wand¬
malereien in den französischen Höhlen und legt hierzu an Lite¬
ratur vor:
Chiron, L. und Lombard-Dumas: La grotte de Chabot. Revue de l’ecole
d’anthropologie Xi, 1901, S. 49;
Capitan, L. und Breuil, H.: La grotte de Combarelles. Eb. XII,
1902, S. 33;
Capitan, L. und Breuil, H.: La grotte de Font- de- Gaume. Eb. XII,
1902, S. 235;
Hoernes, M. : Der diluviale Mensch in Europa. Die Kulturstufen der
älteren Steinzeit, ßraunschweig 1903;
10
Mailet, A. : La g'rotte ä Graffiti et le trou du Sarrasin. L’homme pre-
historique I, 1903, S. 110;
Mortillet, A. de: Sur quelques figures peintes et gravees des grottes des
environs des Eyzies. Eb. I, S. 43;
Ri viere, E.: Les parois gravees et peintes de la grotte de la Mouthe.
Eb. 1, 1903, S. 65.
An den Vortrag schliefst sich eine längere Aussprache an.
Y. Sektion für Physik, Chemie und Physiologie.
Erste Sitzung am 18. Februar 1004. Vorsitzender: Prof. Dr. W.
Hallwachs. — Anwesend 56 Mitglieder und Gäste.
Oberlehrer H. A. Rebenstorff spricht unter .Vorführung von De¬
monstrationen über Luftfeuchtigkeit und Nebelbildung.
Nachdem mittels eines Heronsballes , der ein Füllröhrchen des Vortragenden ent¬
hielt (Zeitschr. f. d. phys. und ehern. Unterricht XVII, 1904, S. 91; bei Meiser & Mertig-
Dresden für 2,50 M.), der hohe Dampfdruck des Äthers gezeigt war, wird die Messung
des jeweiligen Dampfdruckes der Luftfeuchtigkeit, sowie des Sättigungsdruckes vor¬
geführt. Ein weiterer einfacher Apparat dient zur Messung der ungleichen Druck¬
änderung trockner und gesättigter Luft infolge Temperaturänderungen. Unter Benutzung
eines Gelatinehygroskopes wird mittels eines Projektionsversuches demonstriert, dafs
Luft bei Abnahme des Druckes relativ feuchter, bei Kompression trockener wird, beides
natürlich nur, solange noch kein Ausgleich der adiabatisch erfolgten Temperaturänderung
eingetreten ist (a. a. 0. S. 28).
Hierauf zeigt der Vortragende seinen Apparat zur Demonstration der ungleichen
Temperaturänderung trockener und feuchter Luft bei Verminderung und Erhöhung des
Druckes, auf welcher Erscheinung bekanntlich die Erklärung der Temperaturverhältnisse
des Föhnwindes beruht (a. a. 0. S. 19). Auch bei den Versuchen mit diesem Apparate
macht sich, wie berichtet wird, ein Einflufs in der Luft vorhandenen Staubes bemerkbar.
Der Vortragende zeigt alsdann ein bequemeres Verfahren der Herstellung staub¬
dichter Kollodiumballons (vergl. Abhandlung III), die zu zahlreichen Versuchen über
bekannte Erscheinungen, insbesondere über die Nebelbildung aus übersättigter Luft
unter der Bedingung des Vorhandenseins von Nebelkernen (Staubteilchen und Jonen)
verwendbar sind. Näheres darüber wird in der Zeitschrift für den physik. und ehern.
Unterricht behandelt werden.
Ferner wird ein Aräopyknometer vorgeführt, das durch Anhängegewichte als
Universalinstrument für Flüssigkeiten der Dichten von 0,7 bis 2,o brauchbar ist.
Zweite Sitzung am 21. April 1904. Vorsitzender: Prof. Dr.W. Hall¬
wachs. — Anwesend 74 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. Fr. Foerster hält einen durch zahlreiche Demonstrationen
erläuterten Vortrag über die Elektro-Osmose und ihre Anwendung
in der Technik.
An den Vortrag schliefst sich eine lebhafte Aussprache.
Dritte Sitzung am 23. Juni 1904. Vorsitzender: Prof. Dr.W. Hall¬
wachs. — Anwesend 57 Mitglieder und Gäste.
Prof. Dr. R. Möhlau hält einen Vortrag über das Wesen des Fär¬
bereiprozesses unter Vorführung von Experimenten.
11
YI. Sektion für reine und angewandte Mathematik.
Erste Sitzung* am 11. Februar 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. R. Heger.
— Anwesend 21 Mitglieder.
Oberbaurat H. Wiechel spricht über mathematische Theorie der
Volksdichtekarten. (Vergl. Abhandlung V.)
Geh. Hofrat Prof. Dr. M. Krause bespricht die Werke von G. Bauer:
„Vorlesungen über Algebra“. Leipzig 1903, und H. Weber: „Elementare
Algebra und Analysis“, erschienen als I. Band der Enzyklopädie der Ele¬
mentar -Mathematik von Weber und Wellstein. Leipzig 1903.
Bezüglich des ersten Werkes wird insbesondere sein Verhältnis zn den älteren und
neueren Theorien der Algebra besprochen und seine Stellung zu früheren Darstellungen
des Gegenstandes in der deutschen mathematischen Literatur gekennzeichnet.
Bei der mit einer kurzen Inhaltsangabe verbundenen Besprechung des zweiten
Werkes wird speziell auf seine Darstellung der Kombinatorik, des Kreisteilungsproblems,
der sogenannten Unmöglichkeitsbeweise und der auf die Transzendenz von e und rc be¬
züglichen Untersuchungen hingewiesen.
Zweite Sitzung am 14. April 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. R. Heger.
— Anwesend 8 Mitglieder.
Prof. Dr. R. Heger spricht über Kugelkoordinaten und sphärische
Kegelschnitte.
Vortragender setzt zunächst auseinander, dafs bei Zugrundelegung eines festen
sphärischen Dreiecks, dessen Seiten und Winkel sämtlich gleich 90° sind, einerseits jeder
Punkt der Kugeloberfläche durch drei „Punktkoordinaten“ x, y, z, andrerseits jeder Haupt¬
kreis der Kugeloberfläche durch drei „Hauptkreiskoordinaten“ u, v, w fixiert werden
kann; und zwar findet hierbei stets die Gleichung x2+ y2+ z2— L resp. u2-j- v2-j- w2= 1
statt. Die Benutzung dieser Koordinaten wird nun an einer Reihe von Aufgaben aus
der Sphärik erläutert ; dabei wird u. a. auf die Eigenschaften des vollständigen sphärischen
Vierseits und Vierecks eingegangen, ferner auf die analytische Darstellung der Neben¬
kreise in Punktkoordinaten sowie in Hauptkreiskoordinaten. Im zweiten Teile seines
Vortrags behandelt Redner die sphärischen Kegelschnitte und zeigt, dafs sich bei ihnen
— mutatis mutandis — gewisse Eigenschaften der ebenen Kegelschnitte wiederfinden,
so die Brennpunkts- und Direktrix-, z. T. auch die Asymptoten-Eigenschaften. U. a. wird
dargelegt, wie man, sobald die Gleichung eines sphärischen Kegelschnitts gegeben ist,
sofort diejenige seines Polar -Kegelschnitts aufstellen kann.
Dritte Sitzung am 9. Juni 1904. Vorsitzender: Prof. Dr. R. Heger.
— Anwesend 13 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrat Prof. Dr. K. Rohn spricht über Flächen mit vier Scharen
kongruenter Parallelkurven.
Der Vortragende erläutert kurz die geometrische Entstehung der Translationsflächen
und die analytische Darstellung derselben; insbesondere wird hervorgehoben, dafs es auf
jeder Translationsfläche zwei Scharen kongruenter gleichgestellter Kurven geben mufs,
und dafs jeder dieser beiden Kurvenscharen eine bestimmte Kurve in der unendlich fernen
Ebene zugeordnet ist, indem die Tangenten sämtlicher Kurven der betreffenden Schar
diese unendlichferne Kurve treffen. Sind umgekehrt zwei unendlichferne Kurven Cj und c2
vorgelegt, so zeigt sich, dafs jede Translationsfläche, die zu denselben in der angedeuteten
Beziehung stehen soll, Integralfläche einer gewissen leicht herstellbaren partiellen Diffe¬
rentialgleichung II. Ordnung sein mufs.
Nun wird die Frage aufgeworfen, ob es Flächen geben kann, auf denen sich nicht
blofs zwei, sondern vier Scharen kongruenter gleichgestellter Kurven vorfinden. Da
12
diesen vier Kurvenscharen auch vier unendlichferne Kurven CnC^Cg,^ in der oben
angegebenen Weise zugeordnet sein müssen, so kommt die gestellte Frage darauf hinaus,
ob man in der unendlicbfernen Ebene vier Kurven c4, c2, c3, c4 derart wählen kann, dafs
eine und dieselbe Translationsfläche sowohl zu c4 und c2 als auch zu c3 und c4 in der
erwähnten Beziehung steht; diese Fläche mufs alsdann offenbar eine gemeinschaftliche
Integralfläche zweier partieller Differentialgleichungen II. Ordnung sein,
Redner gibt zunächst einen Rückblick auf die Geschichte dieses von Lie formu¬
lierten Problems und charakterisiert kurz die interessanten, aber etwas künstlichen
Methoden, durch welche der genannte Mathematiker dasselbe gelöst hat, indem er bewies,
dafs die fraglichen Kurven c, , c2 , c3 , c4 zusammen eine algebraische Kurve IY. Ordnung
bilden müssen. Sodann wird ausführlich die Behandlung auseinandergesetzt, welche das
Problem neuerdings durch Scheffers erfahren hat (im 28. Bande der Acta mathematica),
und bei welcher das genannte Resultat Lies auf elegantem und rein analytischem Wege
abgeleitet wird.
Den Schlufs des Vortrags bilden kurze Bemerkungen über die analytische Dar¬
stellung der zu einer gegebenen Kurve IV. Ordnung gehörenden Translationsflächen und
Hinweise auf Translationsflächen, welche mehr als vier Scharen kongruenter gleich¬
gestellter Kurven enthalten.
Prof. Dr. Ph. Weinmeister legt einige stereometrische und kine¬
matische Modelle vor.
VII. Hauptversammlungen.
Erste Sitzung am 28. Januar 1904. Vorsitzender: Geh. Hofrat
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 151 Mitglieder und Gäste.
Geh. Hofrat Prof. Dr. W. Hempel hält einen Experimentalvortrag
über die chemischen Elemente.
Zweite Sitzung am 25. Februar 1904. Vorsitzender: Geh. Hofrat
Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend: 66 Mitglieder und Gäste.
Zur Vorlage kommt eine vom Verfasser der Isisbibliothek als Geschenk
überwiesene Schrift von H. Conwentz: ,,Die Heimatkunde in der Schule“.
Berlin 1904.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Prof. H. Engelhardt erstattet
Bericht über den Kasse nab schlufs für 1903, mit dessen Prüfung
Bankier A. Kuntze und Privatus E. Fritzsche beauftragt werden, und
legt den Voranschlag für 19 04 vor, welcher genehmigt wird.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude gibt einen Aufruf zur Errichtung eines
Denkmals für M. J. Schleiden in Jena bekannt und knüpft daran
Worte über die Bedeutung Schleidens für die Botanik.
Hauptmann E. Dietel-Pirna führt eine Reihe von Lichtbildern
aus China mit erläuternden Bemerkungen vor,
Dr. A. Naumann solche aus Dalmatien und Bosnien, die er auf
einer im April 1903 dahin unternommenen Reise aufgenommen hatte.
Dritte (aufserordentlielie) Sitzung am 26. Februar 1904. Vor¬
sitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend ungefähr 200 Per¬
sonen.
In gemeinsamer Verabredung mit dem Dresdner Goethebunde, in welchem
Prof. Dr. P. Schumann eifrig für die ästhetische Seite der Heimatschutz-
1 3
Bestrebungen eingetreten war, und unter Beitritt des Vereins für Erdkunde
in Dresden, war ein Vortrag von Prof. Dr. H. Con wen tz -Danzig über
Schutz der natürlichen Landschaft, ihrer Pflanzen- und Tier¬
welt, vornehmlich in Sachsen in der Aula der K. Technischen Hoch¬
schule angesetzt.
Einladungen zu diesem Vortrage waren an die Ministerien, den Landeskulturrat,
die Professorenkollegien von Dresden und Tharandt, den Sächsischen Forstverein, an
verwandte Gesellschaften der naturwissenschaftlichen Gruppe und Bergvereine, besonders
an die Meifsner „Isis“ und an den Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz ergangen,
so dafs eine sehr mannigfaltige Interessen vertretende Zuhörerschaft sich zusammen¬
gefunden hatte.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude^als Vorsitzender der „Isis“, welche
die Fürsorge für den Ort der Versammlung übernommen hatte, begrüfst
die Erschienenen und hebt die Bedeutung der Veranstaltung hervor.
Den hier Versammelten liege in gleicherweise am Herzen, hinzuwirken auf den
Schutz unserer heimatlichen Landschaft gegenüber solchen Schädigungen, welche nicht
durch das rege Betriebsleben der Gegenwart unmittelbar als notwendig zu betrachten sind.
Prof. Dr. H. Conwentz hält dann den angezeigten Vortrag.
Im ersten Teile desselben bespricht der Redner die Gesichtspunkte in ähnlicher
Weise, wie sie in seinem am 5. Dezember 1903 in der Gesellschaft für Erdkunde zu
Berlin gehaltenen Vortrage zum Ausdruck gelangt sind*).
Der zweite Teil des mit grofsem Beifall aufgenoinmenen Vortrages richtet sich auf
die besonderen V erhältnisse Sachsens, die der Redner sich auf manchen durch das Land
unternommenen Reisen zu eigen gemacht hat. Jede Abteilung des Voitrages wird be¬
gleitet von einer Vorführung von Lichtbildern, die teils die Verunstaltung der Natur
grell zum Ausdruck bringen sollen, teils den verschiedenartigsten, des Schutzes und der
Erhaltung bedürftigen Naturdenkmälern gewidmet sind.
In eine Diskussion des reichhaltigen Gegenstandes tritt die Versamm¬
lung nicht ein, und so schliefst dieselbe mit einigen Bemerkungen des
Vorsitzenden des Vereins für Erdkunde, Prof. Dr. H. Gravelius, und einer
kernigen Ansprache des Vorsitzenden des Dresdner Goethebundes, Frei¬
herrn R. vonMansberg, die zugleich dem lebhaften Dank der Versammlung
an den Kedner Ausdruck gibt.
Vierte Sitzung am 24. März 1904. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof.
Dr. 0. Drude. — Anwesend 46 Mitglieder.
Vorgelegt wird eine Einladung zur konstituierenden Versammlung
eines Vereins für Heimatschutz.
Prof. H. Engelhardt spricht über die geologische Entwicklung
des Südwestens von Deutschland,
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude über die neueren Anschauungen
über die Physiologie der Befruchtung im Pflanzenreich.
Fünfte Sitzung am 28. April 1904. Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof.
Dr. 0. Drude. — Anwesend 56 Mitglieder.
Prof. H. Engelhardt teilt mit, dafs die Bechnungsprüfer den Kassen-
abschlufs für 1903 geprüft und richtig befunden haben. Der Kassierer
wird hierauf entlastet.
*) Im Auszug mitgeteilt in der Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde Berlin, 1904, No. 3.
14
Der Vorsitzende erstattet Bericht über den Verlauf der koii-
stituierenden Versammlung des Bundes „ Heimatschutz“ am
30. März 1904.
Prof. Dr. E. Kalkowsky hält einen Vortrag über den Salzgehalt
des Ozeans.
Sechste Sitzung und Ausflug nach Meifsen am 12. Mai 1904. —
Zahl der Teilnehmer 25 Mitglieder und 13 Gäste.
Von Cölln aus, wo die Gesellschaft von Mitgliedern der Meifsner „Isis“ und des
Verschönerungsvereins „Naturfreund“ empfangen werden, führt die Wanderung über die
Proschwitzer Höhen nach der Karpfenschänke, von wo aus das Dampfschiff zur Fahrt
nach Diesbar benutzt wird. Hier findet im Gasthof zum Hofs eine Hauptversamm¬
lung unter Vorsitz von Geh. Hofrat Prof. Dr. O. Drude statt, an der sich zahlreiche
Mitglieder der beiden genannten Meifsner Vereine und des Bergvereins für Diesbar und
Umgegend als Gäste beteiligen.
Der Vorsitzende entwickelt Zweck und Ziele des Verbandes „Heimat¬
schutz“ und lenkt die Aufmerksamkeit auf einzelne Punkte der Umgebung von Meifsen,
welche zu schützen sich besonders empfehlen würde.
Apotheker M. Kuntzmann, Vorstand des Vereins „Naturfreund“ in Meifsen, be¬
richtet über die seiten dieses Vereins unternommenen Schritte zur Erhaltung der
B oselspitze.
Oberlehrer Dr. P. Kirbach erklärt die Bereitwilligkeit der Meifsner „Isis“ zur
Unterstützung des Heimatschutzes.
Nach gemeinsamem Mittagsmahl wandern die Teilnehmer über die rechtsuferigen
Höhen nach Seufslitz und über Niederlommatzsch nach Schlofs Hirschstein, dessen Be¬
sitzer, Hauptmann a. D. Crusius, die Besichtigung des herrlichen Parkes mit vor¬
geschichtlichem Bund wall bereitwilligst gestattet hatte. Eine zwanglose Vereinigung
der Isismitglieder und ihrer Gäste im Burgkeller zu Meifsen schliefst den Ausflug ab.
Siebente Sitzung am 30. Juni 1904 (im K. Botanischen Garten).
Vorsitzender: Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude. — Anwesend 39 Mitglieder
und Gäste.
Geh. Hofrat Prof. Dr. 0. Drude hält einen Vortrag über die Bedeu¬
tung der ökologischen Morphologie und Pflanzengeographie, mit
Erläuterungen an aufgestellten Pfianzengruppen.
Veränderungen im Mitgliederbestände.
Gestorbene Mitglieder:
Am 6. Februar 1904 starb Dr. phil. Felix Flügel, Vertreter der
Smithsonian Institution in Leipzig, Ehrenmitglied seit 1855.
Am 24. Mai 1904 verschied in Dresden Dr. ing. h. c. Friedrich
Siemens, weltbekannt als Begründer der Aktien- Gesellschaft für Glas¬
industrie vorm. Fr. Siemens, wie durch seine Arbeiten auf dem Gebiete
der Beleuchtungs- und Heizungstechnik. Unserer Gesellschaft gehörte der
Verewigte seit 1872 als wirkliches, seit 1903 als Ehrenmitglied, dem Ver¬
waltungsrate derselben seit 1882 als werktätiges Mitglied an.
Am 11. Juni 1904 starb Fabrikbesitzer und Stadtrat a. D. F. Robert
Hirt in Dresden, wirkliches Mitglied seit 1886.
15
Neu aufgenommene wirkliche Mitglieder:
Beyme, Georg H., Rittergutsbesitzer in Blasewitz, am 30. Juni 1904;
Bohmig, Konrad Heinrich, Dr. med. in Dresden, am 24. März 1904;
Gebier, Walter, Fabrikbesitzer in Pirna, am 28. Januar 1904;
Geifsler, Alfred, Realschullehrer in Dresden, am 25. Februar 1904;
Kühnscherf, Alexander, Techniker in Dresden, i ...
Kühnscherf, Erich, Kaufmann in Dresden, J am ’ iVlarz
Müller, Karl, Apotheker in Niederpoyritz, am 30. Juni 1904;
Sohle, Ulrich, Dr. phil., Geolog in Dresden, i
Tbümer, K. August, Dr. med. in Dresden, J am Januar iyü4*
Aus den korrespondierenden in die wirklichen Mitglieder sind
übergetreten:
Dietel, E., Hauptmann und Batteriechef in Pirna;
Ulbricht, R., Dr. phil., Professor a. D. in Loschwitz.
Kassenabschlufs der naturwiss. Gesellschaft ISIS vom Jahre 1903.
Position. Einnahme. Position. Ausgabe.
16
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Dresden, am 24. Februar 1904. Hofbuchhändler Gr. Lehmann, z. Z. Kassierer der Isis.
Abhandlungen
der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
ISIS
in Dresden.
1904.
I. Über die jüngsten Schichten der Kreide Sachsens.
Von Dr. W. Petrascheck.
Die rege Bautätigkeit der letzten Jalire führte wiederholt in den süd¬
lichen Stadtbezirken Dresdens zu einer Verritzung der unter dem Quartär
des Elbtales liegenden Kreidemergel. Bei einer solchen Gelegenheit machte
Herr C, Droop, Mineralienhändler in Dresden-Plauen, eine reiche Ausbeute
an Fossilien, die mir von ihm und später nach deren Erwerbung durch
das Kgl. Mineralogisch -geologische Museum von Herrn Prof. Dr. E. Kal-
kowsky in dankenswerter Weise zur Bestimmung überlassen wurde. Der
Fundort der Fossilien ist die an der Grenze von Dresden und Strehlen
gelegene Teplitzer Strafse und zwar der Teil, der in einem seichten Ein¬
schnitt die sanfte südwestlich von Strehlen gelegene Böschung nimmt.
Bei Herstellung genannter Strafse stiefs man auf bräunlich-graue und graue
Mergel, erstere lagen unten, letztere darüber. Sie sind dem Gestein nach
leicht auseinander zu halten. Aus den bräunlichen, lichteren Mergeln liegt
eine weit gröfsere Zahl von Fossilien vor, sie waren darin zweifellos
häufiger, jedoch wurde von ihm eine gröfsere Menge Materials bewältigt.
Der Erhaltungszustand ist ein ziemlich günstiger; zwar sind die meisten
Stücke flachgedrückt und die Schalen oft verschwunden, doch bewahrte
das feine Material gut die Details der Skulpturen. Meist sind es Skulpturen¬
steinkerne, aus der höheren, grauen Schicht liegen aufserdem noch eine
Anzahl verkiester kleiner Gastropoden sowie Scaphiten vor. Bei den dünnen,
glättschaligen Bivalven blieb die Bestimmung mitunter zweifelhaft, da sich
das Schlofs nicht präparieren liefs. Ferner mufsten eine Anzahl der Gastro-
podensteinkerne als unbestimmbar ausgeschaltet werden.
Die untere Schicht bräunlicher Mergel lieferte folgende Arten*):
Corax heierodon Reuss. ss.
Osmeroides Lewesiensis Ag. s.
Cladocyclus strehlensis Gein. ss.
Oxyrhina angustidens Reuss. s.
Scaphites spec. ss.
Pachydiscus peramplus Maut. ss.
Bacidites bohemicus Fr. u. Schl. h.
Lytoceras spec. ss.
Voluta subsemiplicata d’Orb. sp. ss.
— canalifera Favre sp. ss.
cf. Fasciolaria elongata Sow. sp. ss.
Tudicla Cottae Röm. sp. ss.
Aporrhais megaloptera Reuss. s.
cf. — calcarata Sow. s.
— aff. stenoptera Goldf. sp. ss.
Cerithium Damesi Müll. ss.
Turritella multistriata Reuss. s.
Turbo Boimstorfensis Griepenk. ss.
Pleurotomaria baculitarum Gein. ss.
Dentalium striatum Sow. hh.
*) hh. sehr häufig, h. häufig, s. selten, ss. sehr selten.
4
Dentalium medium Sow. hh.
Venus parva Sow. ss.
cf. Tapes faba Sow. hh.
cf. — subfaba cTOrb. spec. ss.
Icanotia elicita Stol. ss.
Cardium bipartitum d’Orb. s.
— semipapillatum Reuss. hh.
— deforme Gein. s.
— alutaceum Goldf. s.
— turoniense Woods. ss.
Eriphyla lenticularis Goldf. hh.
Cardita tenuicosta Sow. spec. hh.
Leda Försteri Müll. ss.
Nucula pectinata Sow. s.
— cf. producta Nilss. ss.
Pectunculus Geinitzi d’Orb. s.
Cucullaea subglabra d’Orb. ss.
Area undulata Reuss. ss.
Inoceramus Cuvieri Sow. h.
— latus Sow. s.
— cf. Brongniarti Sow. ss.
Pecten inversus Nilss. h.
— laevis Nilss. s.
— virgatus Nilss. h.
— cf. Dujardini Röm. ss.
Lima granulata Nilss. s.
Anomia subtruncata d’Orb. s.
Exogyra lateralis Nilss. h.
Terebratidina rigida Sow. hh.
Holaster planus Mant. ss.
Phymosoma radiatum Sow. sp. ss.
Aus der oberen, grauen Mergelschicht liegen vor:
Osmeroides Lewesiensis Ag. s.
Scaphanorhynchus raphiodon Ag. ss.
Scaphites Fritscln Gross. s.
Turritella acicularis Reuss. h.
Cardium semipapillatum Reuss. h.
Cardita tenuicosta Sow. h.
Leda Försteri Müll. ss.
cf. Nucula pectinata Sow. s.
Inoceramus latus Sow.
s.
Pecten Nilssoni Goldf.
s.
— spatulatus Röm.
ss.
— laevis Nilss.
s.
— virgatus Nilss.
s.
— inversus Nilss.
s.
Lima granulata Nilss.
s.
Ostrea hippopodium Nilss.
s.
Hierzu kommen noch eine Anzahl nicht näher bestimmbarer Gastro-
podensteinkerne, wie sie in der unteren Schicht nicht gefunden wurden.
In beiden Schichten sind überdies, in der unteren in weit höherem Grade
als der oberen, Foraminiferen sehr häufig. Es wurde unterlassen, die¬
selben auszuschlämmen; soweit es auffällig grofse Individuen waren, ge¬
hörten sie den Gattungen Flabellina und Frondicularia an.
Es bestehen also, trotz der Ähnlichkeit des Gesteins, faunistische
Unterschiede zwischen beiden Schichten. Zwar kommen die meisten der
aus der oberen angeführten Arten auch in der unteren vor, einige fehlen
ihr aber doch, darunter zwei Arten {Scapliites Fritschi Gross, und Turri¬
tella acicularis Reuss), die auf ein junges Alter hinweisen. Beide Arten
kommen in den Priesener Schichten, also an der Grenze von Turon und
Senon vor. Immerhin aber ist die faunistische Verknüpfung beider Mergel¬
bänke eine so innige, dafs sie nicht als verschiedene Horizonte zu be¬
handeln sind.
Von den angeführten Fossilien, unter denen übrigens eine Reihe
für Sachsen neu und zum Teil auch in den gleichartigen Kreideablage¬
rungen Böhmens noch nicht nachgewiesen sind, ist die überwiegende Mehr¬
zahl, nämlich 31 Arten, auch bei Strehlen gefunden worden, was bei der
gleichen Fazies auch sehr begreiflich ist. Trotzdem können die Mergel
der Teplitzer Strafse nicht eines Alters mit dem Strehlener Plänerkalk¬
stein oder den Teplitzer Schichten Böhmens sein, denn in der Fauna
machen sich Elemente bemerkbar, die auf ein entschieden jüngeres Alter
hinweisen. Ein Teil derselben kehrt in den etwas jüngeren Tonen von
5
Zatzschke und den Priesener Schichten Böhmens wieder. Es sind das Arten,
die aus dem untersten Senon, aus dem Emscher bekannt sind. Hierher
gehört z. B. Cerithium JDamesi Müll., Turbo Boimstorfensis Griepk., Pleuro-
tomaria baculitarum Gein.*), Voluta sub semiplicat a d’Orb. und V. canali-
fera Favre sp., Leda Försteri Müll., Nucula producta Nilss.**), Pectunculus
Geinitzi d’Orb., Area undidata Beuss, endlich die schon oben genannte
Turritella acicularis Beuss und Scaphites Fritschi Gross. Selbst unter
denjenigen Spezies, die auch in Strehlen gefunden wurden, herrschen wieder
die Arten vor, die noch in jüngere Horizonte hinauf steigen. Charakte¬
ristische und häufige Strehlener Arten fehlen hingegen oder sind selten,
ohne dafs etwa veränderte Fazies dafür verantwortlich gemacht werden
könnte (vergl. Pachydiscus peramplus, Scapliites Geinitzi , die selten oder
fraglich sind, Spondylus spinosus , Lima Hoperi , Terebratula semiglobosa ,
die nicht aufgefunden werden konnten). So weist die Fauna mit Be¬
stimmtheit daraufhin, dafs der Mergel von der Teplitzer Strafse
etwas jünger ist als der Strehlener Pläner. Das Vorkommen von
Scaphites Fritschi Gross, in seiner oberen Bank deutet auf die Tone von
Zatzschke hin.
Diese aber haben bis jetzt noch keine reiche Fauna geliefert. Geinitz
zählt im Elbthalgebirge***) auf, was ihm bekannt geworden war. Beichlich
sind dagegen die Fossilfnnde aus den gleichalterigen Priesener Schichten
Böhmens. Die von Fricf) und von Jahn ff) herrührenden Unter¬
suchungen über diese Schichten haben festgestellt, dafs sie an der Grenze
von Turon und Senon stehenfff). In ihren unteren Bänken finden sich noch
turone Arten, während die oberen spezifisch senone Arten geliefert haben.
Unten ist Nucula producta ein Leitfossil, das auch in den Tonen von
Zatzschke häufig und ebenfalls an der Teplitzer Strafse vorgekommen ist.
Auch Placenticeras d’ Orbignyanum Gein. und Scaphites Fritschi Gross,
stellen sich hier ein. Diesen unteren Teilen der Priesener Schichten
Böhmens entsprechen unsere Mergel von der Teplitzer Strafse
in Dresden ebenso wie die Tone von Zatzschke.
In dem Niveau der letzteren ist übrigens in den letzten Jahren von
Herrn Bealgymnasiasten Joh. Winkler in Dresden -Neustadt ein neuer
Aufschlufs gefunden und mit grofsem Fleifs auf Fossilien durchsucht
worden. Die Lokalität befindet sich am Südrande des Blattes Stolpen
der geologischen Spezialkarte von Sachsen im Lohmener Walde dort, wo
die Schneifse No. 23 an den nördlichen Arm des Brausnitzbaches heran¬
tritt. Der kleine Bach hat hier an einer im Walde verborgenen, nach
*) Bei Zatzschke nicht selten.
**) Zwar ist das Original Nilssons, wie Hennig (Bevision af Lamellibr. i Nilssons
Petrific. suec. Acta univers. Lundensis, Bd. 33, Lund 1897) hervorhebt, so mangelhaft, dafs
eine genaue Definition der Art nicht möglich und diese daher einzuziehen ist. Jedoch
kennt man aus den Priesener Schichten ebenso wie von Zatzschke eine Art, auf die man
seit Beuss den Namen Nilssons anwendet. Zu dieser gehört auch diejenige, die uns
vorliegt. Da dieselbe noch keinen neuen Namen erhalten hat, wenden wir vorläufig noch
obige Bezeichnung an.
***) II, S. 197.
f) Stud. üb. böhm. Kreideform. V: Priesener Schichten. Archiv, f. d. naturwiss.
Landesdurchforsch. v. Böhmen, Bd. IX.
ff) Jahrb. d. k. k. geol. Beichsanstalt 1895, S. 125.
fff) Dabei kann die Behauptung Zahalkas (Jahrb. d. k. k. geol. Beichsanst. Bd. 49,
1899, S. 577), dafs die Teplitzer Schichten jünger als die Priesener Schichten sind, als
evident unrichtig übergangen werden.
6
Aussage cles Herrn Winkler etwa 50 m langen Strecke einen dunkel¬
grauen harten Mergel angeschürft, in dem dünne Kalkschalen von Fossilien
gar nicht selten sind*). Jedoch lassen nur wenige Stücke eine genaue
Bestimmung zu. Herr Winkler, zum Teil auch ich selbst fanden hier:
Scaphites Geinitzi d’Orb.
Pleurotomaria baculitarum Gein.
Turritella cf. multistriata Reuss.
Natica Gentii Sow.
Nucula pectinata Sow.
— producta Nilss.
Pecten Nüssoni Goldf.
Unter diesen Fossilien sind Nucula- Arten, zu denen noch eine dritte,
bisher nicht bestimmte Art kommt, die häufigsten. Die kleine Fauna ist
charakteristisch für die Tone von Zatzschke und die Priesener Schichten.
Das nicht seltene Vorkommen von Scaphiten in dem Tone von Zatzschke
war die Veranlassung, dieselben als Scaphitenschichten zu bezeichnen.
Dank der Freundlichkeit des Herrn Geheimrat Credner und Herrn
Dr. Etzold konnte ich die von R. Beck**) gesammelten Scaphiten einer
Durchsicht unterziehen. Auch das Kgl. Mineralogisch -geologische Museum
zu Dresden besitzt etliche Exemplare von dort. Es liefsen sich insgesamt
folgende Arten konstatieren:
Scaphites Geinitzi d’Orb. j Scaphites Kieslingwaldensis Langenh.
— Fritschi Gross. und Grundey,
— Lamberti d’Orb.
sowie die
Übergangsform zwischen Sc. Lamberti und Sc. Geinitzi ,
auf die Jahn***) die Aufmerksamkeit gelenkt hat. Durch diese Arten,
zu denen sich als charakteristisches Leitfossil noch Placenticeras d’Orbig-
nyanum Gein. gesellt, wird das Alter der Scaphitentone von Zatzschke
genügend scharf präzisiert. Sie haben, was besonders noch hervorgehoben
werden soll, nichts zu schaffen mit den Scaphitenplänern (Zone des Hete-
roceras Reussianum und Spondylus spinosus) Nordwestdeutschlands. Sie
gehören vielmehr in das jüngste Turon, dorthin, wo sich bereits Anklänge
an das Senon zeigen. Sie sind als ein Äquivalent des Cu vieri-Pläners
anzusehen, oder, wenn wir die durch Iukes Browne neuerlich so gut
durchgearbeitete Kreide Englands zum Vergleich heranziehen, als ein
Äquivalent seiner Zone des Micraster cor testudinarium.
Turon und Senon sind in Böhmen auf das engste verknüpft. Will
man die Grenze ziehen, so müfste man sie, wie Jahnf) bemerkt, mitten
in die Priesener Schichten legen. Nicht überall aber ist das, wie aus den
Untersuchungen Fries hervorgeht, der Fall. In Nordböhmen liegen auf
den Priesener Schichten noch die Quadersandsteine der Chlomeker Schichten
mit einer Fauna des untersten Senons. Dort aber, wo Chlomeker Schichten
entwickelt sind, haben die Priesener Schichten nicht nur geringere Mächtig¬
keit wie weiter südlich, wo Chlomeker Schichten fehlen, sondern sie zeigen
auch eine Fauna, in der senone Elemente mehr zurücktreten, eine Fauna,
die mehr den tieferen Schichten des Profils von Priesen entspricht. Es
*) Über den Tonen liegen, die Böhe nordöstlich des Aufschlusses bildend, mürbe
Quadersandsteine, die demnach zum Überquader gehören dürften.
**) Erläuterungen zur Sekt. Pirna, S. 74.
***) 1. c. S. 183.
f) h c. S. 140.
7
hat daher den Anschein, als ob eine teilweise fazielle Vertretung statt¬
finde und zwar so, dafs die tieferen Teile der Priesener Schichten durch¬
wegs als Tone entwickelt sind, dafs jedoch die höheren Bänke der Priesener
Schichten in dem Gebiete, wo Chlomeker Schichten nicht zur Ablagerung
kamen, eben den Chlomeker Sandsteinen entsprechen.
In Sachsen liegt über den nur wenige Meter mächtigen Tonen von
Zatzschke der Überquader, der nichts anderes als die Chlomeker Schichten
Böhmens ist. Als ich*) mich vor einigen Jahren mit diesem beschäftigte,
betonte ich wohl die Zusammengehörigkeit desselben mit den Chlomeker
Schichten Nordböhmens und dem Kieslingswalder Sandstein. Die neueren
Arbeiten über beide letzteren lagen aber noch nicht vor und ebenso war
die Fauna des norddeutschen Untersenons noch nicht so gut wie heute
bekannt. Ich suchte daher das Äquivalent des Überquaders in dem Ge¬
steine des Salzberges, in der Zone des Marsupites ornatus. Die Arbeiten
Fries**) und Sturms***) geben nunmehr ein vollständigeres Bild von der
Fauna des in Sachsen durch den Überquader repräsentierten Niveaus und
lassen eine noch weitergehende Übereinstimmung erkennen. Sturm prä¬
zisierte den Kieslingswalder Sandstein als zum Emscher gehörend. Diesem
entspricht demnach auch der Überquader. Unsere Aufsammlungen wurden
damals noch eine Zeit lang fortgesetzt und dabei festgestellt, dafs in noch
höherem Grade senone Arten vorwiegen, als schon betont wurde. Was
als Micraster cf. cor testudinarium bezeichnet wurde, erwies sich an bes¬
seren Steinkernen als Cardiaster ananchytis Leske sp. Der Inoceramus
Brongniarti wurde von Herrn G. Müller, Berlin, geprüft und als nicht
mehr zu dieser Art gehörend befunden. Er ähnelt zwar gewissen senonen
Formen, doch ist es nicht möglich, den Steinkern mit Sicherheit zu be¬
stimmen. Die Pholadomya nodulifera ist die auch bei Kieslingswalde vor¬
kommende Pholadomya elliptica Münst. Neu fand sich Liopistha aequi-
valvis Goldf. und eine vielleicht neue Banoy aea. Von besonderer Wichtig¬
keit sind die glücklichen Funde des Herrn Dr. K. Deninger, die das Er¬
gebnis von bis in die letzte Zeit fortgesetzten Aufsammlungen sind. Wie
mir genannter Herr freundlichst mitteilte, gelang ihm der Nachweis folgender
für den Überquader neuen Fossilien: Placenticeras d’ Orbignyanum Gein.,
Hamites sp., Panopaea Geinitzi Holzapf., Venus faba Sow., Pholas sclerotites
Gein. und Sequoia Beichenbachi Gein. Von dem zuerst genannten Am¬
moniten liegen zwei schöne grofse Exemplare vor, wie sie auch in den
Chlomeker Schichten Böhmens gefunden wurden, welche letztere von
Grossouvre mit Unrecht zu Placenticeras Fritschi Gross, gestellt wurden.
Demnach würde die Fauna des Überquaders, soweit es sich um sicher
bestimmbare Reste handelt, folgende Arten umfassen:
Placenticeras d’ Orbignyanum Gein.
Nautilus rugatus Fr. und Schl.
Pholadomya elliptica Münster.
Liopistha aequivalvis Goldf.
Panopaea Geinitzi Holzapf.
Pholas sclerotites Gein.
Venus faba Sow.
Cyprina quadrata d’Orb
Cardium Ottoi Gein.
Pinna cretacea Schloth.
Vota quadricostata Sow.
Lima canalifera Goldf.
*) Über das Alter des Überquaders im sächsischen Elbthalgebirge. Abhandl. der
Isis in Dresden 1897, S. 24.
**) Chlomeker Schichten. Archiv, naturw. Landesdurchf. v. Böhmen Bd. 10.
***) Der Kieslingswalder Sandstein. Jahrb. d. k, preufs. geolog. Landesanst. 21 (1900).
8
Alectryonia frons Park.
Ostrea semiplana Sow.
Exogyra lateralis Nilss.
Catopygus albensis Gein.
Cardiaster ananchytis Leske.
Sequoia Beichenbachi Gein.
Hierzu käme noch ein spezifisch nicht näher bestimmbarer von Herrn
Joh. Winkler gefundener Pachydiscus *) sowie ein Seestern, den Geinitz
als Stellaster cf. elegans Forbes und Dixon bezeichnet hatte**).
Das senone Gepräge der Fauna kommt nunmehr noch deutlicher zum
Ausdruck, als es nach unserer früheren Mitteilung der Fall war. Unter
Berücksichtigung der Fauna der Chlomeker Schichten und der Kieslings-
walder Sandsteine kann man sagen, dafs der Überquader gleiches
Alter wie die Sande vom Löhofsberge bei Quedlinburg und
Spiegelsberge bei Halberstadt haben, er gehört der Zone des
InoceramuS" Koeneni Müll ***) an. Jedoch dürfte in dem böhmisch¬
schlesischen Äquivalente des Überquaders auch noch die nächst jüngere
Zone des Emschers enthalten sein.
Die vorstehenden Erörterungen, sowie unsere früheren Untersuchungenf)
ermöglichen es, unter Benutzung der grundlegenden stratigraphischen und
palaeontologischen Arbeiten namentlich von Geinitz, Beck und Schalch
die Schichtfolge der Kreide von Sachsen in sehr genaue Übereinstimmung
mit derjenigen Nordwestdeutschlands sowohl wie Englands und des Pariser
Beckens zu bringen. Es lassen sich die Schichten der Kreide Sachsens
in folgende Gliederung zusammenfassen:
Unterer Emscher.
Cuvieri- Stufe.
Scaphiten- Stufe.
Brongniarti - Stufe
{sensu stricto)
Labiatus- Stufe.
Überquader.
Cuvieri - Mergel von der Teplitzer Strafse in
Dresden und Scaphiten -Ton von Zatzschke.
Obere Abteilung mit Acanthoc.
Neptuni , Scaphites Geinitzi, Lima
Hoperi : Spinosus-Pläner von Strehlen-
Weinböhla (Brongniarti- Pläner) und
Brongniarti - Quader der Sächsischen
Brongniarti- Schweiz.
Stufe (der Untere Abteilung mit Acanthoc.
sächsischen Woollgari und Prionotropis caro-
Geologen) linus : Brongniarti -Mergel von Räck¬
nitz, Brongniarti-Pläner von Krietzsch¬
witz und Hoher Schneeberg, _ Grünsand¬
stein mit Bhynchonella bohemica , un¬
terer Teil des Brongniarti-Quaders von
Tetschen und Elbleiten.
Labiatus -Pläner und Labiatus -Quader.
Zone des Actino-
camax plenus.
Cenomane Quader-Stufe.
Carinaten- Pläner und Plänersandstein.
Carinaten - Quader.
Crednerien - Stufe.
*) Vergl. W. Petrascheck: Ammoniten d. sächs. Kreide. Beitr. z. Pal. u. Geol.
Österr.-Ung. 14 (1902), S. 138.
**) In Sitzungsber. der Isis in Dresden 1882, S. 70 als St. albensis Gein. erwähnt.
***) Vergl. G. Müller in Zeitsch. d. deutschen geol. Ges. 1900, S. 39.
f ) Studien üb. Faciesbildungenin der sächs. Kreide. Abhandl. d. Isis in Dresden 1899, S. 31.
9
Der Parallelismus der sächsischen Kreidehorizonte mit denen Englands
und des Pariser Beckens in der Gliederung, wie sie Grossouvre*) und
Iukes Browne**) in ihren Monographien gegeben haben, ist ein voll¬
kommener. Behalten wir in Ermangelung charakteristischer Leitfossile
die Namen Cenomanquader und Überquader für den ältesten bez. jüngsten
Horizont bei, so kann folgendes Schema zur Vergleichung dienen:
Sachsen
F rankreich
England
Überquader
Coniacien
(. Barroisiceras Haber¬
fellner i)
Z. of Micr. cor
ang.
Upper Z. of Micr . cor
Chalk testuä.
Z. of Holaster
planus
Cuvieri- Stufe
Scaphiten- Stufe
Brongniarti- Stufe
Labiatus- Stufe
Angoumien
Z. of Terebratu-
Middle lina
Chalk Z. of j Rhyncho-
nella Cuvieri
Saumurien
Plenus-Zone
Cenoman- Quader
Z. of Actinoca-
Lower max plenus
Chalk übrige Cenoman-
Zonen
Cenomanien
Die Erkenntnis, dafs in den Mergeln von der Teplitzer Strafse in
Dresden ein Niveau vorliegt, das jünger als der Plänerkalk von Strehlen
ist, hat auch Bedeutung für die Tektonik des Elbtales bei Dresden. Da
das Fallen der Schichten auf den Höhen von Plauen und Kaitz sowohl
wie bei Strehlen ein flach nordöstliches ist, würde man in den Mergeln
von der Teplitzer Strafse, ungestörte Lagerung vorausgesetzt, eine Schicht
suchen, die älter ist, als der Strehlener Pläner. Der Umstand, dafs sie
jünger sind, deutet auf einen Bruch hin, der ein nochmaliges Auftauchen
älterer Schichten bewirkt. Man wird kaum fehlgehen, wenn man das
Hervortreten des Strehlener Kalkhügels auf einen nordwestlich streichenden
Bruch zurückführt, an dem der südwestliche Flügel etwas abgesunken ist.
Das Niveau des Strehlener Pläners dürfte unter der Lehmdecke südlich
von Zschertnitz, woselbst Geinitz***) bei einer Brunnengrabung Strehlener
Fossilien nachgewiesen hat, vielleicht auch noch in den Zschertnitzer
Mergeln die Scaphites Geinitzi d’Orb. geliefert haben, selbst zu suchen
sein. Zudem ist es wahrscheinlich, dafs die Strehlener Verwerfung, zu
deren Annahme wTir soeben geführt wurden, nicht die einzige ist, die sich
an der Bildung des linken Gehänges der Elbtalwanne von Dresden be¬
teiligt. Auf den Höhen oberhalb Plauen und bei Kaitz liegen ältere
*) Recherches sur la craie superieure. I. Stratigraphie generale. Mem. ponr serv.
ä l’expl. de la carte geol. Paris 1901.
**) The cretaceous rocks of Britain. 3 Bde. Mem. of the geol. snrv. London
1900 — 1904.
***) Sitzungsher. d. Isis in Dresden 1865, S. 65.
10
Schichten, Cenoman und unteres Turon, an ihrem Fufse, oft ganz in der
Nähe von Aufschlüssen in ersteren, jedoch beträchtlich tiefer, stehen
jüngere Horizonte an. Nicht immer genügt das sehr flache Einfallen der
Schichten zur Erklärung dieser Tatsache. Eine von meinem früheren Kol¬
legen, dem jetzigen Kgl. Preufsischen Geologen Dr. E. Naumann mir
gegenüber geäufserte Ansicht, dafs an den Gehängen von Plauen-Räcknitz
ein Bruch vorhanden sein könne, gewinnt sehr an Wahrscheinlichkeit, um¬
somehr, als weiter elbabwärts bei Niederwartha ein solcher linkselbischer
Bruch, der dem dortigen Elbtale den Charakter eines Grabens verleiht,
durch Beck und Dalmer nachgewiesen worden ist, ein Bruch, der sich
übrigens noch etwas weiter nach Südost in die Kreide verfolgen läfst.
Dafs es auch an dem Gehänge von Plauen an Verwerfungen nicht fehlt, war
vor einem Jahre beim Baue einer am oberen Teil der Hohen und Coschützer
Strafse verbindenden noch namenlosen Strafse zu beobachten. Man hatte
Labiatus-Pläner mit der darunter liegenden Tonmergelschicht angeschnitten,
die neben einem Bruche zu einer kleinen flachen Mulde und einem ebenso
flachen Sattel zusammengestaucht waren. Jenseits, östlich des Bruches,
standen nach abwärts geschleppte Plänerbänke an. Dieser Bruch schien
nördliches bis nordöstliches Streichen zu besitzen und dürfte wohl den
Charakter einer kleinen Querstörung haben.
II. Über europäische Zwergvölker*).
Von Dr. K. Deninger.
Weit verbreitet unter den Völkern sind die Sagen von Zwergen. In
unseren deutschen Sagen und Märchen spielen sie ja eine grofse Rolle,
und bis in die neueste Zeit hat sie die Wissenschaft ausschliefslich auf
dieses Gebiet verwiesen. Jetzt ist es allgemein bekannt, dafs auf der
Erde heutzutage noch zahlreiche Zwergvölker leben, die ihre Heimat vor¬
wiegend in Afrika haben. Ihr Auftreten in den verschiedensten Teilen
dieses Weltteils läfst darauf schliefsen, dafs alle diese Gruppen einst in
Zusammenhang standen und dafs die jetzt noch erhaltenen Volksstämme
die letzten Reste einer früher über Afrika allgemein verbreiteten Bevöl¬
kerung darstellen. Auch in Südasien leben einige Zwergvölker und in
neuester Zeit will man sie auch in Amerika aufgefunden haben. Allen
diesen Völkern ist aufser der geringen Körperhöhe eine sehr niedere Kultur¬
stufe gemeinsam. Fast alle Zwergvölker sind ausschliefsliche Jägervölker.
In unseren deutschen Sagen sind die Zwerge mit so vielen übernatür¬
lichen Zutaten versehen worden, dafs es schwer hält, aus ihnen Material
für die Zwergforschung zu schöpfen. Ganz anders steht es damit in den
schweizer Sagen**). Hier werden die „Wildmännli“, in Graubünden
auch „Fänggen“ genannt, als ein Naturvolk von kleinem Wuchs geschil¬
dert. Sie leben an schwer zugänglichen Stellen des Gebirges zu kleinen
Horden vereint in Felshöhlen. Im Sommer gewährt ihnen ihre starke
Behaarung genügenden Schutz und nur im Winter bekleiden sie sich aufser-
dem mit Fellen. Es sind gutmütige Naturkinder, die selten den Menschen
etwas zu leid tun, ihnen dagegen häufig durch Hülfeleistung nützen. Ihre
Gewandtheit im Laufen und Klettern wird stets gerühmt. Die Menschen
machen sich gelegentlich auch den Scherz, ein solches Wildmännli einzu¬
fangen — eines soll sogar nach Rom gesandt worden sein — , worauf
dann der Rest des Völkchens auf Nimmerwiedersehen auswandert. Diese
Schilderungen der bündner Sagen stimmen so vorzüglich mit dem überein,
was wir von anderen Zwergvölkern wissen, dafs man sich nicht recht vor¬
stellen kann, wie Sennen diese Dinge sollten frei erfunden haben. Da es
sich hier um Sagen deutscher Schweizer handelt, müfsten die Fänggen
noch nach der Völkerwanderung in den Alpen gelebt haben. Dies ist
vorläufig aber weder als erwiesen, noch als unmöglich anzusehen.
*) Vortrag gehalten in der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden
am 3. März 1904.
**) Georg Luck: Rätische Alpensagen. Davos 1902.
12
Nun brachten aber in den letzten Jahren prähistorische Forschungen
in der Schweiz ganz überraschende Tatsachen zu Tage, die einen wichtigen
Fortschritt auf dem Gebiet der Zwergforschung bedeuten*).
In den Jahren 1891 — 1893 wurde von Dr. Nüesch in Schaffhausen die
prähistorische Niederlassung am Schweizersbild in der Nähe dieser Stadt
ausgebeutet, und neben zahlreichen Stein- und Knochengeräten der älteren
und jüngeren Steinzeit fanden sich auch eine Anzahl von Grabstätten der
Steinzeitmenschen. Die Gräber, mit denen wir uns hier zu beschäftigen
haben, gehören sämtlich der älteren neolithischen Periode an und wurden
von Professor Kollmann in Basel einer eingehenden anthropologischen
Untersuchung unterzogen.
Er fafst die Resultate dahin zusammen: „Es wurden
1. Knochenreste von Menschen gefunden, die eine ansehnliche Körper¬
höhe besafsen, wie sie unter uns als Regel angesehen wird, nämlich von
1,60 m Körperhöhe und darüber;
2. Knochenreste, welche offenbar von Pygmäen herrühren, d. h. von
Menschen mit einer Körperhöhe von weit unter 1,60 m, deren kleiner Wuchs
gleichwohl nichts mit dem auf krankhafter Unterlage entstandenen Zwerg¬
wuchs gemein hat. Das Schweizersbild liefert also Belege, dafs in Europa
während der neolithischen Periode neben den hochgewachsenen Varietäten
des Menschen auch eine pygmäenhafte Varietät gelebt hat, sowie dies noch
heute in anderen Kontinenten der Fall ist und offenbar dort auch schon
in der ältesten Zeit der Fall war.“
Die Mafse der Menschen vom Schweizersbild werde ich weiter unten
mit denen von anderen Fundpunkten aufführen und will deshalb hier nur
erwähnen, dafs sämtliche Männer der grofsen, die Frauen aber der kleinen
Rasse angehören.
Bald kam weiteres Material zum Vorschein. Bei Chamblandes, in der
Nähe von Lausanne, wurde ein Gräberfeld aufgedeckt, das ebenfalls Reste
von kleinen Leuten enthielt.
Ferner fand Professor Kollmann die Menschenreste wieder auf, welche
im Jahre 1874 von Dr. von Mandach in der Höhle im Dachsenbüel bei
Schaff hausen gesammelt worden waren, und es stellte sich heraus, dafs
sich auch unter diesen pygmäenhafte Leute befanden.
Herkunft
Ge¬
schlecht
Körperhöhe nach Manouvrier
Schweizersbild
P
1416
5?
P
1355
55
P:
1500
Kleine
Dachsenbüel
P
1300 j
( Rasse?
1
55
cf ■
1450 '
Chamblandes
4 P
1450-1520 ]
1
55
Schweizersbild
Dachsenbüel
cf
cf
cf
1580-1680
1662 !
1650-1660
I Grofse
[ Rasse?
*) J. Nüesch: Schweizersbilch Zürich 1902 (2. Auf!.); J. Nüesch: Dachsenbüel.
Zürich 1902.
13
Berücksichtigt man nur die beiden nordschweizerischen Fundstellen,
so liefse sich die Trennung einer grofsen und einer kleinen Menschenrasse
aufrecht erhalten. Man müfste dann mit Professor Kollmann die Grenze
etwa bei 1,50 m ansetzen und es verblieben dann für die Pygmäen sämt¬
liche Frauen und der eine Mann vom Dachsenbüel, für die grofse Rasse
zwei Männer von 1,65 — 1,66 m. Eine Frau von 1,50 als pygmäenhaft zu
bezeichnen, scheint mir allerdings etwas gewagt, aber der Kernpunkt der
Frage scheint mir weniger auf den Begriff der Pygmäen hinauszulaufen
als darauf, ob hier zwei verschiedene Rassen vorliegen oder nicht. Für
diese Frage scheint aber die Art, wie die Menschenreste zusammen gefunden
wurden, nicht unwichtig zu sein. Im Dachsenbüel wurden nämlich die
Reste des grofsen Mannes von 1,65 m mit denen der kleinen Frau von
1,30 m in einem sorgfältig angelegten Grabe zusammen bestattet aufge¬
funden. Wenn aber Menschen unter solchen Umständen zusammen be¬
stattet werden, so ist der Schlufs wohl erlaubt, dafs sie nicht nur neben¬
einander, sondern miteinander gelebt haben. Wenn zwei verschiedene
Rassen auch friedlich nebeneinander leben, so werden sie doch nie ihre
Angehörigen mit allen Ehren zusammen bestatten. Höchstens bei ganz
intensiver Rassenvermischung dürfte dies Vorkommen, und dann ist es uns
bei so spärlichen Resten überhaupt unmöglich, verschiedene Völker aus¬
einander zu halten. Nun ist der Unterschied zwischen einem Manne von
1,65 m und einer Frau von 1,30 m allerdings sehr beträchtlich. Berück¬
sichtigen wir aber, dafs dies auch so ziemlich die extremsten Gröfsen-
unterschiede der schweizer Neolithiker sind und dafs derartige Unterschiede
nicht nur bei Kulturvölkern, sondern auch bei Naturvölkern sehr häufig
Vorkommen, so liegt kein Grund vor, der gegen die Zugehörigkeit dieser
Leute zu ein und demselben Volke spricht.
Noch viel einfacher liegen die Verhältnisse in Chamblandes. Hier
schwankt die Gröfse der Männer zwischen 1,58 — 1,68 m, diejenige der
Frauen zwischen 1,45 und 1,52. Wollte man hier nach der Körpergröfse
zwei verschiedene Rassen unterscheiden, so müfste man wiederum die
Männer zur grofsen, die Frauen zur kleinen Rasse rechnen. Hier liegt
aber augenscheinlich ein Volk vor, das zwar nicht grofs aber durchaus
nicht pygmäenhaft ist und bei dem der Gröfsenunterschied zwischen
Männern und Frauen ziemlich beträchtlich ist.
Kurz erwähnen möchte ich noch, dafs die anthropologische Unter¬
suchung der Knochenreste wohl einige Merkmale niederer Menschenrassen
an diesen Skeletten aufgefunden hat, dafs aber das Gesamtergebnis doch
bleibt, dafs wir es hier mit Vertretern der kaukasischen Rasse zu tun haben.
Wenn ich mich nun der Ansicht von Professor Kollmann, dafs hier die
Reste zweier verschiedener Menschenrassen vorliegen, nicht anschliefsen kann,
so mufs doch die Tatsache anerkannt werden, dafs die Neolithiker der
Schweiz ein durchschnittlich sehr geringes Körpermafs besafsen. Will man
diese Leute mit den Zwergsagen der Schweiz in Zusammenhang bringen, so
braucht man nur anzunehmen, dafs sie durch die eindringende spätere Bevöl¬
kerung mehr und mehr in die schwer zugänglichen Täler des Hochgebirges
zurückgedrängt wurden. Die Zersprengung in kleine Horden mit ungünstigen
Existenzbedingungen konnte noch weiter zu einem Kleinerwerden der Men¬
schen beitragen. Unbedingt nötig ist es übrigens gar nicht, dafs diese Leute
je zu den Mafsen der afrikanischen Zwergvölker herabgesunken sind, denn
auch so mufsten sie den hochgewachsenen Alemannen als Zwerge erscheinen.
14
Nun gibt es auch auf den Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien
eine auffallend grofse Zahl kleiner Leute, so dafs versucht wurde, diese
mit anderen Zwergvölkern in Zusammenhang zu bringen. Die Zwerge
dieser Inseln sind aber meiner Auffassung nach durchaus eine lokale Er¬
scheinung. Sardinien hat wie so viele Inseln ja seine eigene Zwergtierwelt
ausgebildet. Alle wildlebenden Säugetier-Arten dieser Insel sind beträcht¬
lich kleiner als die entsprechenden Arten des Festlandes. Es ist deshalb
sehr wahrscheinlich, dafs die gleichen Ursachen, die das Kleinerwerden
der übrigen Säugetiere der Insel hervorgebracht haben, auch auf die dort¬
lebenden Menschen eingewirkt haben. Ich möchte hier auch einmal die
Aufmerksamkeit auf die interessante Stadt Alghero in Sardinien lenken,
wo sich eine spanische Kolonie seit wenigen Jahrhunderten un vermischt
erhalten hat. Diese Leute, die doch zweifellos nicht von Pygmäen ab¬
stammen, zählen zu den kleinsten der ganzen Insel. Hier könnte man
nur die Inzucht in der verhältnismäfsig kleinen Kolonie zur Erklärung
dieser auffallenden Tatsache heranziehen.
III. Über Eigenschaften der Eollodinmmembran.
Yon H. Reben storff.
Giefst man die Lösung von Nitrozellulose*) in einem Gemisch von
Alkohol und Äther auf eine glatte, nicht poröse Fläche, so bleibt nach
dem Verdunsten des Lösungsmittels ein Häutchen zurück, das man vielfach
unversehrt von der Fläche ablösen kann. Die so hergestellte Membran
diente einigen Forschern zu osmotischen Untersuchungen. Schuhmacher
(Pogg. Ann. Bd. 110, 1860, S. 337) stellte das bemerkenswerte Verhalten
der Kollodiumhäutchen fest, dafs sie Alkohol schneller als Wasser diffun¬
dieren lassen, sich also diesem Körper gegenüber entgegengesetzt verhalten
wie Tiermembranen. Gleiche Eigenschaften zeigten indessen auch Häutchen
von Bohnenhülsen und von Caulerpa prolifera. Bei diesen Untersuchungen
trat die grofse Langsamkeit der Diffusion durch Kollodium hervor. Damit
hängt natürlich der hohe elektrische Widerstand der in einer Zersetzungs¬
zelle zwischen den Elektroden angebrachten Kollodiummembran zusammen,
worauf Hittorf (Zeitschr. für phys. Chemie Bd. 43, 1903, S. 247) hinweist
und als Folge des Umstandes bezeichnet, dafs diese Membran eine Lösung
kaum einsaugt und trocken bleibt.
Zweck der vorliegenden Arbeit ist eine weitere Untersuchung der
Eigenschaften der Kollodiumhaut im Anschlufs an neuere Erfahrungen bei
der Zubereitung möglichst dichter Ballons aus dem eigenartigen Material.
Ich gelangte dazu, nachdem ich im vorigen Jahre eine von dem sonst em¬
pfohlenen Verfahren etwas abweichende Herstellungsart dieser Ballons be¬
schrieben hatte (Zeitschr. f. d. phys. u. ehern. Unt. XVI, S. 31), die einen
bequemen Ersatz der zu Luftballon- und anderen Unterrichtsversuchen
dienenden Hüllen ermöglichen sollte. Während es für diese Zwecke keineswegs
auf äufserste Dichtheit ankommt, ist diese Eigenschaft eine Bedingung für die
Benutzung der Membran zu zahlreichen andern, zum Teil schon in dieser
Arbeit angedeuteten Anwendungen. Deshalb sei zunächt das mancherlei Rück¬
sichten erfordernde Verfahren der Herstellung dichter Ballons beschrieben.
*) Als Entdecker des Kollodiums wurde lange Zeit der „junge Amerikaner May-
nard“ an erster Stelle genannt. Georg W. A. Kahlbaum wies indessen vor kurzem
nach, dafs dem Entdecker der Schiefsbaumwolle Christian Schönbein unstreitig die
Priorität gebührt (Mitteil. zur Gesch. d. Medizin u. d. Naturw. 1902, S. 20). Dieser hat
sich bereits 1846 über die Löslichkeit nitrierter Zellulose ausgesprochen und spätestens
zu Ende dieses Jahres die Verwendbarkeit der Lösung in der Wundpflege erkannt.
Maynard trat damit erst hervor, als Bigelow 1848 als erster in Amerika die medi¬
zinische Benutzung empfohlen hatte. Der Name Kollodium stammt von Augustus
A. Gould. (Nach dem Referat in der Zeitschr. f. d. phys. u. ehern. Unt. XV, S. 370.)
16
I. Zubereitung dichter Kollodiumhallons.
Die vorhandenen Schwierigkeiten gliedern sich in solche, die das Heraus¬
holen eines nicht eingerissenen Ballons aus einem Rundkolhen als Rest eines
eingetrockneten Wandbelags von Kollodiumlösung betreffen, und solche, die
die Vermeidung feiner Undichtheiten an scheinbar unversehrten Hüllen hat.
1. Die Glaswand. Geeignet sind Rundkolben von 6 — 10 cm Durch¬
messer (für die zunächst in Betracht kommenden Zwecke) mit kurzem, nicht
zu engem Halse. Erforderlichen Falles ist letzterer abzuschneiden und
der neue Halsrand in der Flamme umzulegen. Giefst man in einen be¬
liebigen Kolben Kollodiumlösung, verteilt sie durch Drehen auf die Kolben¬
wände und schüttet den Überschufs zurück, so ist nach teilweisem oder
völligem Verdunsten des Lösungsmittels die zurückbleibende Haut nur selten
gleich das erste Mal ohne Rifs herauszubekommen. Sie haftet an gewissen
Stellen der Glaswand fest, die nicht völlig rein und nicht immer durch
Ausspülen allein zu reinigen sind. Bisweilen gelingt es, durch Umschütteln
mit Sand, Filtrierpapierresten und Wasser, reichlichem Nachspülen und
Trocknen mit Alkohol und Äther es so weit zu bringen, dafs schon beim
ersten oder einem der folgenden Versuche die Kollodiumhaut sich gleich -
mäfsig ablöst. Manche Glaswände behalten aber an gewissen Stellen auch
nach den erwähnten Mafsnahmen gröfsere Adhäsion zum Kollodium bei. In
solchen Fällen füllt man den Kolben mit Kaliumbichromat-Schwefelsäure-
lösung und läfst ihn damit kalt tagelang oder in der Hitze (Wasserbad, um
Überkochen zu verhüten) einige Stunden stehen. Darauf wird wie vorhin
mit Wasser gespült und getrocknet.
Während eine solche Vorbereitung bei keinem Versuche, einen Ballon
zu machen, aufser acht bleiben sollte, auch wenn man ihn nur als Luft¬
ballon steigen lassen will, mufs man zur Vermeidung des Auftretens sehr
kleiner Löcher weiter darauf achten, dafs die Innenwand des Rundkolbens
möglichst frei ist von eingeschmolzenen Luftbläschen, die nach innen konvex
vorspringen. An solchen Stellen entsteht oft regelmäfsig ein feines Loch,
zunächst freilich wohl nur eine äufsert dünne Wandung, die aber beim
ersten Einblasen von Luft aufplatzt.
Ist ein Kolben während längerer Zeit zur Ballonbereitung nicht be¬
nutzt worden, so verschlechtern sich wieder die Adhäsionsverhältnisse der
Wandung; nach einigen vergeblichen Versuchen, durch die man sich nicht
abschrecken lassen darf, erhält man aber wieder Ballons von der früheren
Beschaffenheit. Es ist wahrscheinlich und wird gegenwärtig erprobt, dafs
Kolben ihre geeignete Wandbeschaffenheit lange bewahren, wenn man sie
mit etwas Äther wohl verschlossen aufbewahrt.
2. Die Kollödiumlösimg. Stellt man Ballons nach den älteren Vor¬
schriften her, indem man die auf der inneren Kolbenwand verbliebene
Lösung durch mehrtägiges Stehen fast oder ganz eindunsten läfst und
die zum Teil von selbst losgegangene Haut mit äufserster Vorsicht heraus¬
zieht, so erhält man gewöhnlich Ballons von verzerrter Kugelform, deren
Durchmesser erheblich kleiner als der des Kolbens ist. Da infolgedessen
die Dicke der Kollodiumschicht nicht zu gering ausfällt, kann man von
dem gewöhnlichen Kollodium (zu 4 °/0) der Apotheken Gebrauch machen.
Bereitet man indessen die Ballons nach der weiter unten mitgeteilten
Anweisung, so werden die Ballons durch das Aufblähen der noch weichen
Kollodiumhaut dünnwandiger, und es empfiehlt sich, das besonders zu
bestellende Kollodium triplex (zu 6 °/0) zu benutzen. Man erleichtert sich
die Arbeit sehr, wenn man auch diese Lösung noch dadurch etwas kon¬
zentriert, dafs man sie bei recht trockener Luft im Freien zwischen zwei
Gefäfsen in langem dünnem Strahle mehrmals hin- und hergiefst. Ge¬
haltsbestimmungen macht man sehr einfach durch Abwägen von etwas
Lösung vor und nach dem Abdunsten zwischen gut schliefsenden, leer ge¬
wogenen Uhrgläschen. Für die Gewinnung genau kugelförmiger Ballons
von gröfster Dichtheit ist es wichtig, dafs die benutzte Lösung durch
Herumwälzen und längeres Stehenlassen der verschlossenen Flasche —
dies auch zum Aufsteigen der Luftblasen, eine möglichst gleichmäfsige
Beschaffenheit erhält. Besonders durch das Zurückfliefsen des Kollodium¬
überschusses aus den Kolben wird die Lösung von ungleicher Konzen¬
tration, so dafs die damit hergestellten Ballons aus mehreren verwachsenen
Kugeln zu bestehen scheinen. Zweckmäfsig erscheint es mir, nach
schnellem Zurückgiefsen des gröisten Teils vom Kollodiumüberschufs einen
Gummistopfen auf seine Mündung zu setzen, durch dessen Durchbohrung,
die ein sehr kurzes Glasröhrchen enthält, der Überschufs in die Kollodium-
Vorratsflasche abfliefst. Hierbei steht natürlich der Kolben verkehrt
und senkrecht direkt über der offenen Flasche. Nach etwa 2 Minuten
beschliefst man den stockenden Abflufs durch Auflegen der warmen Hand
auf den Kolben, hebt den Stopfen ab und klemmt den Kolben in der
zuletzt eingenommenen Stellung an einem Stative fest. Es ist von Be¬
deutung, dafs auch jetzt noch etwas Lösung abrinnt, damit der Ballon¬
hals ein wenig dickwandiger wird. Den Gummistopfen reinige man sofort,
am besten mit glattem Seidenpapier unter Benutzung eines Glasstäbchens
für die Durchbohrung; Leinen fasert und verschlechtert beim nächsten
Gebrauche des Stopfens die abrinnende Lösung, da an feinen Fäserchen
in der Membran Luftkanäle entstehen können, wie die Beobachtung zeigte.
Zum eventuellen Färben des Kollodiums setzt man die ätherische
Lösung des Anilinfarbstoffes hinzu und mischt durch Schütteln, Umwälzen
der Flasche und langes Stehenlassen. Feuchtigkeit, die sich aus der Luft
beim Eindunsten der Lösung infolge der Abkühlung niederschlägt, macht
die Membranen opak und wahrscheinlich weniger fest und dicht. Die
Ballonbereitung nehme man daher in recht trockener, warmer Luft vor.
3. Das Herausziehen des Ballons aus dem Kolben. Den auf der
Innenwand mit der Lösung gleichmäfsig benetzten Kolben läfst man
wenigstens eine Stunde in der Stativklemme. Zum Herausziehen des
Ballons lege man sich aufser einem Glasrohr von etwa 25 cm Länge und
der Dicke eines starken Bleistiftes Stücke weichen Bindfadens (baum¬
wollenes Stopf- oder Wiebelgarn), sowie kurze Glasstöpselchen aus zu¬
geschmolzenen Röhrchen bereit, mit denen man ein auf das Glasrohr ge¬
setztes kurzes Schlauchstück verschliefsen kann. Die Enden des Glas¬
rohres müssen gut rund geschmolzen sein.
Nachdem man mit einem Messer die Kollodiumhaut an der Kolben¬
mündung ringsherum gelöst und sie durch geringes Unterschieben der
Klinge etwa 1 cm weit vom Glase abgehoben hat, versieht man das Glas¬
rohr mit dem kurzen Schlauchstück und senkt es mit dem andern Ende
durch den Kolbenhals 1 — 3 cm tief in den Bauchteil des Kolbens ein.
Nun drückt man mit dem Zeigefinger ein Randstück des losgemachten
Ballonhalses gegen das Glasrohr und dreht den Kolben mit der andern
Hand um das Glasrohr als Achse. Die Ballonwand löfst sich hierbei vom
18
Kolbenhalse ab und legt sich in lockeren Schraubenwindungen um das
Glasrohr. Letzteres halte man recht leicht in der Hand, so dafs man dem
schwachen Zuge nach dem Kolbenbauche folgt, der beim Aufwinden des
Ballons auf das Glasrohr ausgeübt wird. Nach einigen Umdrehungen
kann man den seitlichen Druck des Zeigefingers auf Ballonhals und Glas¬
rohr auf heben, da genügend fester Sitz beim drehenden Aufwinden ent¬
steht. Hat man einmal zu früh mit diesem Drucke aufgehört oder ist
durch stundenlanges Stehen des Kolbens vor dem Hervorziehen des Ballons
dessen Halswandung schon fast erstarrt und daher glatter geworden,
so nimmt man zum längeren Andrücken des Ballonhalses an das Glas¬
rohr ein kurzes Holz- oder Glasstäbchen zu Hilfe. Ist durch fortgesetztes
Drehen des Kolbens (oder des Glasrohres in entgegengesetztem Sinne)
ein gröfserer Teil des Kolbenbauches von der Membran frei geworden,
so denke man beim weiteren Drehen daran, dafs das Glasrohr nicht dem
Kolbenboden zu nahe kommt. Man halte es also etwas zurück und lasse
die letzten Windungen des Ballons sich in der Verlängerung des Glas¬
rohres ausbilden. Man zieht alsdann unter Drehungen im gleichen Sinne,
Glasrohr und Ballon aus dem Kolben und bläst sofort nicht zu schnell
zur Kugel auf. Auch der Ballonhals wird hierbei von dem Glasrohr frei,
so dafs man meistens letzteres leicht in den Ballonhals zurückziehen kann,
was für manche Anwendungen der Ballons erwünscht ist. Während man
hierbei den Ballonhals nur ganz lose hält, um den senkrecht nach unten
hängenden Ballon vor dem Herabfallen zu bewahren, drückt man nun¬
mehr die Wand des Ballonhalses unter Drehungen des Glasrohres so an
dieses an, wie wenn man ein loses Zigarrendeckblatt wieder anlegen will.
Es kommt nämlich unterhalb der Befestigungsstelle des Ballons leicht zur
Bildung feiner Öffnungen, wenn daselbst die Ballonhaut gar zu unregel-
mäfsig zerknittert ist. Nach oder während des Andrückens bläst man
den Ballon wieder schwach auf und schliefst das Schlauchstück am Glas¬
rohr mit einem Stöpselchen ab. Zweckloses Einblasen von feuchter
Atemluft ist durchaus zu vermeiden. Man spannt nun das Glasrohr recht
fest senkrecht in eine Stativklemme ein und bindet den Ballonhals durch
nicht zu straffe Umschnürungen mit dem weichen Garn auf dem Glas¬
rohr fest. Dann löst man vorübergehend das Glasstöpselchen und bläst
den Ballon langsam je nach dem Zwecke, dem er dienen soll, mehr oder
weniger auf, wras bis zu einem etwa um die Hälfte gröfseren Durchmesser
meistens leicht möglich ist. Nach dem Abschliefsen des Glasrohres läfst
man den Ballon völlig erstarren.
4. Das Erhärten der Kollodiummembran. Hat der Ballon völlige
Dichtheit, so behält er beim Verdunsten der Reste des Lösungsmittels,
das in zwei Stunden bis auf Spuren entfernt ist, seinen Durchmesser fast
unvermindert bei. Die Membran zieht sich nämlich beim Erstarren er¬
heblich zusammen, aber der hierdurch entstehende gröfsere Innendruck
weitet den noch etwas weichen Ballon wieder aus. Eine gewisse Volum¬
abnahme wird aber dadurch bedingt, dafs der Dampf des Lösungsmittels
schneller nach aufsen diffundiert, als Luft nach innen (s. die unten be¬
schriebenen Diffusionen von Gasen, die in der die Membran durchtränkenden
Flüssigkeit löslich sind). Hatte der Ballon indessen eine undichte Stelle,
die wie schon erwähnt, über einer kleinen, nach innen konvexen Wölbung
der Glaswand, sowie bei einem Fäserchen im Kollodium entstehen kann,
so geht der Ballon schneller oder langsamer an Gröfse zurück und wird
w
schlimmsten Falles so unansehnlich, dafs man ihn auch dort nicht ge¬
brauchen wird, wo er nicht völlig dicht zu sein braucht. Da es nicht
leicht ist, Kolben mit nur ganz wenigen Luftbläschen zu erhalten und
daher die Ballons sehr oft ein ganz feines Löchlein besitzen werden, so
sei erwähnt, dafs letztere um so seltener entstehen, je konzentrierter
die Lösung gemacht war (z. B. 71/2pn>zentig), dafs man ferner die feine
Öffnung nachträglich schliefsen kann. Hierzu mufs sie freilich erst ge¬
funden sein. Man verbinde das Glasrohr des Ballons mit einem längeren
Gummischlauch und drehe den Ballon, während man ihn mit dem Munde
auf bläst (Druck gleich etwa 20 cm Wassersäule) nahe dem Auge so, dafs
dieses alle Wandstellen abprüfen kann. Auch ein äufserst feiner Gas¬
strom ruft am Auge Kältegefühl hervor und meistens gelingt es nun, die
kreisrunde Öffnung zu sehen. Eine Uhrmacherlupe vor dem andern Auge
oder eine in hohem Stativ befestigte gewöhnliche Lupe erleichtert die
Auffindung des oft an der Grenze der Sichtbarkeit befindlichen Löchleins.
Es ist bemerkenswert, dafs zahlreiche, erheblich kleinere Öffnungen in
den Ballons höchstens an Fäserchen Vorkommen. Wären sehr feine kon¬
vexe Blasenerhöhungen in der Glaswand, so würden sie von dem flüssigen
Kollodium wohl genügend stark überdeckt werden. Zum Schliefsen einer
entdeckten feinen Öffnung genügt ein kleiner Tropfen Kollodium von 6 °/0,
den man mit einem mit dem äufsersten Ende in die Lösung getauchten
dünnen Glasstäbchen recht schnell aus der Flasche auf die Öffnung bringt.
Der innendruck ist dabei vorher fast aufzuheben, und durch etwa eine
halbe Minute fortgesetztes Blasen gegen das Tröpfchen mit angenähertem
Munde oder aus einem Lötrohr das Festwerden zu beschleunigen. War
der Ballon erst einige Minuten zuvor aus dem Kolben genommen, so ge¬
lingt das feine Bisterchen so gut, dafs man es nur schwierig später wieder¬
findet. Einen Ballon, an dem man erst nach einer Viertelstunde des
Andieluftbringens noch dichten will, bestimme man lieber nicht zu
Anwendungen, bei denen es auf besondere Dichtheit ankommt. Versucht
man das Schliefsen einer Öffnung an einem fast erhärteten Ballon, so ent¬
stehen ungleichmäfsige Faltungen, die eine Quelle neuer viel gröfserer Löcher
werden. Solange der Bezug blasenfreier Kolben für Kollodiumballons, den
ich zu erreichen hoffe, nicht möglich,
wäre ein Dichtungsmittel anderer Art,
als das die erstarrte Wand wieder lö¬
sende Kollodium erwünscht. In vielen
Fällen liefert aber die Befolgung der ge¬
gebenen Fingerzeige Ballons von schön¬
ster Form und Dichtheit.
Schliefst man an das Ballonglas¬
rohr ein Quecksilbermanometer, so zeigt
dies den inneren Überdruck an, der in
etwa 15 Minuten seinen gröfsten Betrag
von 60 mm und darüber überschreitet.
Um nach dem Anschlufs an das Mano¬
meter wieder auf blähen zu können,
schalte man ein T-rohr in die Schlauch¬
verbindung ein , an dessen drittem
Schenkel ein Schlauch mit Quetschhahn
zum Einblasen sitzt (wie bei Fig. 1). Der
**
Fig. 1.
20
beim Erstarren der Ballonwand sich ausbildende Überdruck zersprengt
bisweilen unter Knall die Hülle. Die Ballons halten den Druck aber fast
stets aus , wenn sie nicht gerade nahe einer Wärmequelle oder im direkten
Sonnenlicht sich befinden. Man kann indessen zur Vorsicht statt des
kurzen geschlossenen Schlauchstückes an das Glasrohr einen dichten
längeren Schlauch anschliefsen, der in ein Glasrohr ausläuft, das bis auf
den Boden eines 8 cm hoch mit Quecksilber gefüllten Standcylinders ein¬
gesenkt ist. Natürlich mufs man vor dem Abschliefsen eines Rohres durch
das Quecksilber den Ballon aufblasen und den Schlauch bis nach dem
Einsenken zudrücken.
II. Eigenschaften der Ballonmembran.
5. Wanddicke des Ballons. Aus der Flächengröfse, dem absoluten
und spezifischen Gewicht von Stücken der Ballonwand findet man leicht
die Wandstärke. Für einen ganzen Ballon fällt die so gefundene Zahl
etwas zu grofs aus, da die Hülle nach dem Halse zu sehr an Dicke zu¬
nimmt. Aus solchen Bestimmungen erhält man, das spez. Gew. der Nitro¬
zellulose = 1,53 angenommen*), Werte von 1/200 bis 1/100 mm.
Die Festigkeit der Ballonwand ergibt sich in roher Annäherung aus
der zu 0,675 . 10~3 cm gefundenen Dicke der Reste eines durch 9 cm Queck¬
silberdruck zersprengten Ballons von etwa 8 cm Durchmesser zu 1,8 kg
pro mm2. Für Holzfaser findet man in Kohlrauschs Handbuch die Festig¬
keit gleich 1,5 — 5 kg angegeben. Natürlich ist die Tragfähigkeit gröfser
als berechnet, da der Rifs von der dünnsten Stelle ausgeht.
An besonders weit aufgeblähten Ballons sind Farben dünner Blättchen
höherer Ordnung nichts Seltenes, freilich nicht an den mittleren, sondern
an den Randpartien der Kollodiumkugel, wo der Lichteinfall schräger ist.
Die niemals gleichmäfsige Verteilung der Wanddicke kann man sehr
deutlich nach den moireartigen, etwa 8 mm von einander verlaufenden
Interferenzstreifen beurteilen, die man im Lichte einer kräftigen Natrium¬
flamme sieht (Teclubrenner mit durchlochter Asbestplatte mit Brom¬
natrium). Da man die Streifen im durchfallenden Lichte im Abstande
von mehreren Metern gut sehen kann, so liefert die Erscheinung einen brauch¬
baren optischen Schulversuch. Nach dem Halse zu schliefsen die Kurven
gleicher Dicke darstellenden Interferenzlinien immer näher aneinander
auf, was nur in nächster Nähe zu sehen ist.
Bei der geringen Dicke der Ballonwände sind dieselben sehr be¬
weglich. Beim langsamen Aufblasen oder Zusammensaugen eines Ballons
schwankt ein seitlich angeschlossenes Wassermanometer kaum um 1 — 2 mm.
Für einige Anwendungen zu Unterrichtsversuchen ist diese Eigenschaft
von Bedeutung. Selbst der elektrische Wind von einer mit der Influenz¬
maschine verbundenen isolierten Spitze bläst einen Ballon auf.
6. Die Dichtheit. Zur Prüfung, ob ein Ballon ziemlich dicht ist,
braucht man ihn nur mit dem Munde aufzublasen, den am Glasrohr
*) Die Dichte der Nitrozellulose hängt vom Nitrierungsgrade ab. Es sind in der
Literatur wenig Angaben darüber vorhanden. Herrn Professor Dr. von Walther
danke ich die Kenntnis der Angabe des spez. Gewichts der Schiefswolle gleich 1,634
bei Guttmann: Schiefs- und Sprengmittel, S. 104. Mir ergab die Dichtebestimmung
an dem Verdunstungsrückstande der Kollodiumlösung durch Wägung in Luft und in
Wasser den Wert 1,535', durch Versuche des Schwebens von Ballonflittern in fast ge¬
sättigter Jodkaliumlösung nach der Methode von Dufour erhielt ich die Dichte gleich 1,56.
21
sitzenden Schlauch zuzudrücken und zu warten, bis sich vielleicht schon
nach wenigen Sekunden ein schwaches Knistern als Zeichen des Ver¬
schwindens eines inneren Überdruckes einstellt. Für Luftballon- und
manche andere Unterrichtszwecke sind vom Glasrohr gelöste oder noch
daran befestigte Ballons verwendbar, auch wenn sie bei der Probe schnell
ihre geringe Dichtheit zeigen, da sie nach dem Aufblähen ihre Form be¬
wahren und einen Gasinhalt wegen der sehr kleinen Druckdifferenz oben
und unten aus kleinen Öffnungen nur langsam verlieren. Dies geht übrigens
auch aus der Verwendbarkeit der käuflichen Kollodiumballons hervor.
Zum Absuchen nach undichten Stellen kann man aufser dem oben
erwähnten Verfahren folgendes Mittel gebrauchen. Während man durch
Einblasen in einen längeren, an das Ballonglasrohr angeschlossenen
Gummischlauch, den Ballon aufgeblasen hält, läfst man ihn langsam auf
einer gröfseren Wasseroberfläche rotieren. Ein Strom feiner Bläschen zeigt
die Öffnung an. Nicht selten dringen Bläschen dort hervor, wo der Ballon
auf dem Glasrohr festgebunden ist. In solchen Fällen kann man den
Ballon öfters dadurch ganz dicht machen, dafs man weiter unten einen
zweiten Faden umlegt. Um bei dieser Probe den Ballon ganz unterzu¬
tauchen, mufs man natürlich den Druck mit dem Glasrohr dadurch unter¬
stützen, dafs man mit der flachen Hand gegen den Kugelteil des Ballons
drückt.
Eine genauere Angabe des Dichtheitsgrades erhält man durch An-
schlufs des Ballons an ein Wassermanometer und Beobachtung der Zeit
der Druckabnahme nach Herstellung eines bestimmten Druckes. Um
nicht durch die Nähe des Körpers unbrauchbare Kesultate zu erhalten,
Fig. 2.
beobachtet man das Manometer (m, s. Fig. 2) mit dem Fernrohr, wobei
eine scharfe Erkennung der Zeitpunkte für die einzelnen Manometerstände
möglich wird. Der Ballon wird mit seinem Glasrohr von einer Stativ¬
klemme festgehalten oder durch einen Kork gesteckt, der den Tubus
einer mehr breiten, als hohen Glasglocke g schliefst. Die Glocke wird
auf untergeschobenen Holzklötzchen so aufgestellt, dafs Luftwechsel be¬
steht. Der Druck wird etwa mit einem Gummigebläse erhöht, wobei
22
man zur Vorsicht den Schlauch nur wenig öffnen darf (zudrücken bei d
mit den Fingern nach schwachem Öffnen des Schraubenquetschhahns q),
um nicht das Wasser des Manometers ganz hinauszuwerfen. Zwischen
dem Ballon und dem Gebläse, dem man sich ja zu nähern hat, stellt
man zweckmäfsig einen Schirm s aus Fensterglas auf.
Nachdem man den Druck auf etwa 20 cm Wassersäule gebracht hat,
schliefst man den Quetschhahn und beobachtet das Manometer durch das
Fernrohr. Sobald der Wassermeniskus einen bestimmten Teilstrich be¬
rührt, löst man ein Chronoskop aus und hält es wieder an, sobald der
nächste Teilstrich erreicht wird. Die so erhaltene Zahl ist ein genaues
Mafs der Dichtheit des Ballons, vorausgesetzt, dafs nicht inzwischen
Druck und Temperatur sich erheblich geändert haben und nicht der Ballon
kurz vorher in einer Umgebung von anderem Feuchtigkeitsgehalt geweilt
hatte. Die bekannten Variometerschwankungen*) lassen sich stets an
einem mit dem Wassermanometer verbundenen Ballon beobachten, sobald
ein innerer Überdruck im Ballon besteht, während sie bei schlaffen Ballon¬
wänden sich an diesen auszugleichen scheinen. Strahlung wirkt sehr
schnell auf den Druck im Ballon; das Manometer hat in 5 — 10 Sekunden
fast ganz den Einstellungswechsel beendet, den eine in der Ferne an¬
gezündete oder ausgelöschte Flamme hervorruft. Der Einflufs geänderter
Luftfeuchtigkeit geht aus dem weiter unten Mitgeteilten hervor.
Ballons können schon als sehr dicht angesehen werden, bei denen
die Druckabnahme z. B. von 17 bis auf 15 cm Wassersäule mehr als
eine Minute in Anspruch nimmt. Durch Verbindung des Schlauches z
mit dem U-rohr r, an das die Bürette b mit Wasser gesetzt war, wurde
festgestellt, dafs nach dem Herauslassen des Überdruckes aus dem Ballon,
für eine Druckerhöhung um je 2 cm Wassersäule stets nahezu gleichviel
Wasser aus der Bürette in das U-rohr übertreten mufste. Nur die erste
Druckzunahme von 0 — 2 cm brauchte wegen kleiner Falten auf der Ballon¬
wand etwas reichlicheres Eindringen von Luft, die durch das Wasser
der Bürette verdrängt wurde. Das für 2 cm Druckzunahme nötige Luft¬
volumen schwankte je nach der Gröfse des Ballons um 1,2 ccm. Das
gleiche Luftvolumen trat natürlich aus, wenn der Druck durch Ent¬
weichen von Luft durch die Wände um 2 cm abnahm. Berechnet man
sich nach den Gesetzen über das Ausströmen der Gase die Gröfse einer
Öffnung, durch die bei einem der Ballons, der den Druck von 17 auf
15 cm in 3 1/2 Minuten sinken liefs, in dieser Zeit 1,2 ccm Luft bei einem
mittleren Drucke von 16 cm Wassersäule ausfliefsen könnten, so findet
man den Querschnitt von 1,12.10~4 mm2. Eine solche Öffnung könnte
nun freilich in der Ballonwand vorhanden sein oder mehrere noch kleinere,
die sich in den berechneten Lochquerschnitt teilten.
Da aber die Kollodiumballons ein gutes Mittel abgeben zum Trennen
gewöhnlicher staubhaltiger Luft von solcher, die keine Nebelkerne ent¬
hält, so mufs man sie für frei von Öffnungen halten, durch die jene winzigen
Gebilde, deren Querschnitt von sehr viel kleinerer Gröfsenordnung ist
als der oben gefundene Querschnitt, hin durch drin gen können, wenn gar-
kein oder nur kurze Zeit ein kleiner Überdruck besteht. Anders liegt
die Sache, wenn der Druck dauernd einwirkt. Bisher habe ich hierüber
nur folgenden Versuch gemacht.
*) M. Toepler, Wied. Ann. Bd. 57, 1896, S. 472, und Ann. d. Phys. Bd. 12,
1903,2 S. 787.
23
Fig. 3.
In eine Flasche mit Boden tubus (Fig. 3), der durch einen Kork mit
Glasrohr verschlossen war, wurde etwas Wasser, sowie ein Kollodiumballon
eingebracht, dessen Glasrohr in einem Gummistopfen
steckte, mit dem die Flasche oben verschlossen
wurde. An das Glasrohr des Bodentubus war ein
Schlauch mit Quetschhahn angeschlossen. Durch
wiederholtes Verdichten der Luft durch Einblasen
in den mit einem Schlauch verbundenen Ballon,
einiges Warten nach Zudrücken dieses Schlauches
und Öffnen desselben bildet man Nebel in der Luft
um den Ballon herum, der sich zunächst langsam,
nach einigen Wiederholungen schneller senkt und
die Nebelkerne schliefslich vollständig zu Boden
fallen läfst. Gelangen nur einzelne Stäubchen oder
andere Nebelkerne in die Flaschenluft, so werden
sie durch eine Entspannung bei fntensivbeleuchtung
mit einem Lichtkegel aufs deutlichste sichtbar. Es wurde nun nach Öffnen
des Quetschhahnes der Ballon ganz aufgeblasen und dessen Glasrohr mit
einem Aspirator aus zwei Flaschen mit Bodentubus verbunden, aus dem
Zimmerluft in den Ballon einströmen konnte. Um die Menge der so die
Ballonwände durchsetzenden Luft zu bestimmen, führte der von dem
Bodentubus der Ballonflasche kommende Schlauch in eine pneumatische
Wanne, wo sich in 32/s Stunden 50 ccm Luft in einem Cylinder an¬
sammelten. Der wirkende Druck betrug nur 8 cm Wassersäule; der
Ballon war besonders dünnwandig und eigentlich einer derjenigen, die viel
schneller Luft durchliefsen als andere. Nachdem durch Saugen am Ballonrohr
unter Eindringen von Wasser durch den Bodentubus der Ballon genügend
verkleinert war, wurde eine Verdichtung und Entspannung der Flaschen¬
luft vorgenommen. Es zeigten sich nur einzelne Nebeltröpfchen, die auch
wohl durch die beim Einsaugen des Wassers nicht ganz vermeidbare Tropfen¬
bildung desselben und die hierbei reichlich entstehenden Kerne veranlafst
sein konnten. Jedenfalls wirkte der dünnwandige Ballon auf die 50 ccm
Luft, die Millionen von Kernen enthielten, als Filter.
Über den Luftdurchtritt können auch folgende Messungen etwas aus-
sagen. Während der Ballon von Zimmerluft umgeben war, wurden die
Zeiten notiert, die zum stufenweisen Sinken eines Überdruckes von 17 cm
um je 2 cm nötig waren. Von zahlreichen Messungen seien nur die
folgenden angeführt, die angestellt wurden, nachdem der Einflufs eines
Feuchtigkeitswechsels der Luft gefunden und aufser Wirkung gesetzt war.
Die für die allmählichen Druckabnahmen um 2 cm gefundenen Zeiten,
also die Differenzen der für die Augenblicke des Manometerdurchganges
durch die um die gleiche Gröfse getrennten Werte notierten Zeiten sind
in Sekunden: 215, 477, 793, 1180, 1685, 2358, 3550.
Der fünfte dieser Werte entspricht dem Sinken des Druckes von 9
auf 7 cm, also dem Ausströmen der Luft beim mittleren Drucke von 8 cm,
der Hälfte des mittleren Druckes für das Ausströmen, auf das sich die
erste Ziffer der Reihe bezieht. Nach dem Torricellischen Gesetz sind nun die
Ausströmungs-Geschwindigkeiten den Quadratwurzeln aus den Druckhöhen
direkt proportional. Da sich nun die ersteren Gröfsen umgekehrt verhalten
wie die zum Ausflufs gleicher Volumina erforderlichen Zeiten, so sind die
letzteren den Quadratwurzeln aus den Druckhöhen umgekehrt proportional.
24
Man sieht nun sofort, dafs die Zahlen der obigen Reihe viel schneller
zunehmen, als es beim Ausströmen durch unverändert bleibende Öffnungen
sein miifste. Beim Durchfliefsen kapillarer Röhren sind die Zeiten für die
Bewegung gleicher Volumina den Druckhöhen annähernd umgekehrt pro¬
portional; obige Zahlen nehmen aber besonders im Anfänge viel schneller
zu. Von der vierten Zahl an könnte man allenfalls den Ausflufs als durch
Kapillaren erfolgend ansehen. Es macht die schnelle Abnahme der Zeiten
bei Zunahme des Druckes den Eindruck, als wenn die Bahnen für die
Luft erst durch den Druck geschaffen oder wenigstens stark erweitert
würden. Inwiefern die Lösung des Gases im Stoffe der Membran mitwirkt,
wird später zu untersuchen sein. Fig. 4 stellt das Sinken des Druckes
mit der Zeit in wohl ohne weiteres verständlicher Weise dar.
0 500 1000 2000 3000
Zeit in Sekunden.
Bringt man den Ballon in feuchtere Luft, so tritt zunächst eine Ver-
gröfserung der Ballonfläche ein, nach deren Beendignng man erst wieder
in der geschilderten Weise Messungen über die Dichtheit der Membran
machen kann. Es zeigt sich, dafs die Zeiten für die Druckabnahme sehr
zugenommen haben. Auch nachdem die Manometerbewegung von 17 bis
15 cm fünfmal so langsam geworden, nimmt bisweilen infolge direkter Be¬
deckung des dann undurchsichtig werdenden Kollodiums mit Wassertröpfchen
in gesättigt feuchter Luft die Dichtheit der Membran noch weiter zu.
Zahlenwerte für die Druckabnahmen unter diesen Umständen seien nicht
angegeben, da sie infolge der wechselnden Wasserbedeckung zu veränderlich
waren.
7. Wasseraufnahme der Kollodiumhaut. Wenn auch ein Aufquellen
dieser Membran in feuchter Luft und in Wasser durchaus nicht statt¬
findet und sie darin vielmehr gewissermafsen trocken bleibt, so ist doch
die Ausdehnung auffallend grofs, die durch Wasseraufnahme herbeigeführt
wird. Ein Ballon, der nach längerem Aufenthalt in Zimmerluft gewogen
war, verliert unter dem Exsikkator 1 — 2 °/0 an Gewicht, sein Volumen nimmt
dabei um mehrere Kubikzentimeter ab. Unter die Glocke, in deren Tubus ein
Kork mit einem dichten Ballon sich befand (vgl. Fig, 2), wurde stunden-
25
und tagelang entweder ein Schälchen mit Schwefelsäure oder mit Wasser
aufgestellt und die Änderungen des Ballonvolumens dadurch bestimmt,
dafs durch Bewegung des Wassers der Bürette b so viel Luft aus dem
Ballon gesaugt oder hineingetrieben wurde, bis der Druck wieder um 1 cm
Wassersäule gröfser als der äufsere Luftdruck war. Änderungen von Luft¬
druck und Temperatur in der Zwischenzeit wurden berücksichtigt. In etwa
einer Stunde war die Hälfte der Volumänderung des Ballons infolge
Wechsels der Luftfeuchtigkeit erreicht, hierauf schritt die weitere Volum¬
änderung sehr langsam vor. Tn einem Tage nahm das Volumen eines
Ballons von 248 ccm Gröfse in Zimmerluft um 15,4 ccm zu, wenn an Stelle
der Schwefelsäure Wasser unter die Glocke gebracht war. Die bei noch
längerer Einwirkung von feuchter Luft erfolgende Volumzunahme ist etwas
gröfser. Direkt mifst man mit dem Apparat eine geringere Volumänderung,
da heim Anfeuchten der Luft der Umgebung sich auch das Innere des
Ballons mit einigen Kubikzentimeter Wasserdampf erfüllt, die beim Trocknen
der umgebenden Luft wieder durch die Membran gehen. Für die obige
Volumzunahme wurde das Dampfvolumen berechnet und der gemessenen
geringeren Zahl hinzugefügt.
Aus der Volumzunahme ergibt sich eine Vergröfserung des fast 8 cm
betragenden Durchmessers des Ballons um 0,162 cm, d. h. um etwa 1/48.
Dieser linearen Dilatation entspricht die erheblich erscheinende dreimal
so grofse Volumzunahme des Kollodiums beim Durchfeuchten. An Gewicht
nahm ein nach Aufenthalt im Exsikkator 0,1493 gr schwerer Ballon unter
einer feuchten Glasglocke um 0,0097 gr zu, was annähernd mit der an¬
gegebenen Volumzunahme des Kollodiums übereinstimmt; wegen der Aus¬
scheidung von feinen Tröpfchen auf der Oberfläche der unter einer feuchten
Glocke befindlichen Gegenstände kann man auf die Gewichtszunahme keinen
besonderen Wert legen.
8. Wanderung von Wasser durch Kollodiumhaut. Füllt man einen
Ballon mittels eines Trichterrohres mit Wasser und hängt ihn an einem
Faden frei in der Luft auf, so läuft seine glänzende Oberfläche erst beim
Behauchen an. Der Hauch verschwindet aber wieder in einiger Zeit, je¬
doch etwas langsamer als auf der Oberfläche eines in der Nähe aufge¬
stellten, behauchten Glaskolbens. Senkt man ein Thermometer durch das
Glasrohr des Ballons bis in das Wasser ein oder drückt man dessen Ge-
fäfs von aufsen gegen die Kollodiumwände, so ersieht man aus dem tieferen
Stande die beständige Verdunstung von Wasser durch die Membran. Diese
verhält sich wie die menschliche Körperhaut bei mittlerer oder geringer
Luftfeuchtigkeit. Die Mengen des durchtretenden Wassers sind nicht ganz
klein. Ein 470 gr Wasser enthaltender Ballon verlor je nach Temperatur
und F euchtigkeit der Zimmerluft zwischen 22,7 und 33,9 g pro Tag an Ge¬
wicht, eine Menge, deren Volumen der Gröfsenordnung nach mit dem
durch den gleichen geringen Überdruck durch die Wände eines dichten
Ballons getriebenen Luftvolumen übereinstimmt.
Mit der Verdunstung durch die Kollodiumhaut wurde diejenige von
der Oberfläche zweier mit Wasser gefüllter Tierblasen verglichen. Da
diese nicht überall dicht waren, so mufsten sie auf einen frei in der Luft
stehenden Teller gelegt werden. Die täglichen Wägungen zeigten, dafs
gleiche Flächen der Blasen, trotzdem diese überall feucht waren, weniger
Wasser verdunsten liefsen , als die' äufserlich völlig trocknen Kollodium¬
ballons. Die Ursache^hierfür hat man wohl in hygroskopischen, aus der
26
Tiermembran gelösten Stoffen zu suchen, die sich an der feuchten Ober¬
fläche der Blase konzentrieren.
Bringt man den mit Wasser gefüllten Ballon in einen abgeschlossenen
Raum, z. B. in die auf eine abgeschliffene Glasplatte gesetzte Glocke der
Fig. 2, so sättigt sich natürlich bald die umgebende Luft mit Feuchtigkeit.
Es erscheint allmählich ein Wasserhauch auf den Ballonwänden; zum Ab¬
tropfen kommt es bei dichten Ballons nicht.
Auch die Wasseraufnahme durch Kollodiumhaut hindurch konnte kon¬
statiert werden. Ein mit etwa 100 gr starker Chlorkalziumlösung versehener
Ballon nahm, frei in der Zimmerluft hängend, beständig an Gewicht zu.
Anfangs betrug die Wasseraufnahme pro Stunde etwa 0,19 g, nach einigen
Stunden nur noch 0,n g. Schon Schuhmacher bemerkte (a. a. 0.), dafs
Kollodiummembran bei längerer Einwirkung von Kalziumlösungen sich ver¬
änderte. Genauere Vergleiche der Verdichtung von Wasser aus der Luft
in den Ballons mit derjenigen an der Oberfläche von Lösungen in Uhrgläschen
könnten der verschiedenen Aufstellung der hygroskopischen Flächen wegen
nicht berechtigt erscheinen. Eine ungefähre Übereinstimmung erhält man
indessen, wenn man die anfänglich beobachteten Gewichtszunahmen der
Ballons in Betracht zieht.
9. Durchgang wasserlöslicher Gase durch die Membran. Die Diffusion
durch dichte Kollodiumhaut findet nicht nach den Gesetzen der freien
Diffusion und derjenigen durch poröse Wände statt. Wenigstens diffundiert
Kohlensäure auch durch wasserarmes Kollodium schneller als die Bestand¬
teile der Atmosphäre. Durch diese Membran dringt in feuchten Gasen das¬
jenige überraschend schnell hindurch, welches in Wasser eine gröfsere Lös¬
lichkeit besitzt. Ähnlich verhalten sich wohl alle Membranen, die Wasser
in ihre molekularen Zwischenräume aufnehmen können; es fehlte aber bis¬
her an hinreichend dünnen und doch lochfreien Membranen dieser Art,
um den Durchgang wasserlöslicher Gase zu untersuchen. Diese Gaswan¬
derung verdient umsomehr Beachtung, als sie in gleicher Weise bei der
Atmung durch die von Wasser durchtränkten dünnen Wände der Lungen¬
bläschen und der sie umspinnenden Blutkapillaren stattfindet.
Das Auffallende der Erscheinung wird durch folgenden Versuch be¬
merkbar. Leitet man mittels einer engen Glasröhre, die durch das in einer
Stativklemme mit senkrecht herabhängendem Ballon befestigte Glasrohr bis
in den Ballon selbst hinabführt, Kohlensäure ein, schliefst nach Entfernen
des Zuleitungsrohres den Ballon durch ein sehr kurzes Schlauchstück und
Glasstöpselchen ab*) und läfst den Ballon in ein Gefäfs mit feuchten Wänden
hineinragen, so wird der Ballon durch den Durchtritt der Kohlensäure in
einigen Stunden völlig zusammengeknüllt. Nach 7 Stunden war der Ballon
in einem Falle durch den Luftdruck nahe dem Glasrohr zerdrückt. Läfst
man den Ballon statt in gesättigt feuchter Luft in Zimmerluft verweilen,
so geht die Kohlensäure langsamer durch die Membran, aber immerhin
schneller als atmosphärische Luft nach innen diffundiert. Nach 14 Stunden
enthielt ein mit Kohlensäure beschickter Ballon in Zimmerluft noch 85 ccm
*) Die nicht ganz geringe Menge Kohlensäure, die auch ein Schlauchstück von
nur 1 cm Länge absorbiert (etwa 0,4 ccm pro Stunde) verkleinert man bei diesen Ver¬
suchen bedeutend, wenn man das Glasstöpselchen mit reichlich anhängendem dickflüssigen
Glycerin so weit in das kurze Schlauchstück vorschiebt, dafs es das Glasrohrende berührt.
Versuche mit Ballons, deren Glasrohre nach der Füllung mit Kohlensäure zugeschmolzen
wurden, hatten kein anderes Ergebnis.
27
Gas; 148 ccm waren entwichen. In dem noch vorhandenen Gase waren
51 ccm Kohlensäure; die übrigen 34 ccm enthielten 9 ccm Sauerstoff. Ragt
ein mit Kohlensäure gefüllter Ballon in ein Gefäfs hinein, dessen Luft durch
Schwefelsäure trocken gehalten wird, so gehen die Ballonwände nur langsam
etwas zusammen.
Führt man einen mit Sauerstoff gefüllten Ballon in die feuchte Luft
eines Gefäfses mit nassen Wänden ein, so verkleinert sich ebenfalls mit der
Zeit das Luftvolumen. Der Sauerstoff entweicht wegen seiner geringeren
Löslichkeit in Wasser aber erheblich langsamer als Kohlensäure. Ein Ballon
von 240 ccm enthielt nach 15 Stunden 32 ccm Gas weniger. In diesem
befanden sich 77°/0 Sauerstoff; es waren 80 ccm Sauerstoff entwichen,
48 ccm Stickstoff eingedrungen. In einem andern Falle traten in 77 Stunden
112 ccm Stickstoff an die Stelle von 183 ccm Sauerstoff.
Über die zahlreichen Anwendungen der Kollodiumballons teils zu Un¬
terrichtsversuchen, teils zu Versuchen über Nebelbildung soll in anderen
Arbeiten berichtet werden.
IV. Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1903.
Von Dr. B. Sehorler.
Im folgenden sind die wesentlichsten Funde aus dem letzten Jahre im
Anschlufs an Wünsches Flora zusammengestellt. An neuen Arten ist der
Bestand unserer Flora nur wenig bereichert worden, wenn man von den
eingeschleppten und meist nicht aushaltenden Formen und den Bastarden
absieht. Fotamogeton Zizii , Melica picta und die Alge Lithoderma fon-
tannm sind hier zu nennen. Einige andere Arten dagegen, die bisher als
Bürger der sächsischen Flora aufgeführt wurden, müssen als solche gestrichen
werden, so Hierochloa odorata und Calamagrostis litorea. Diejenigen Funde,
welche nur eine kleine Erweiterung des schon bekannten sächsischen Areals
darstellen, sind zwar für unser Herbarium sehr wertvoll und werden stets
mit Dank angenommen, sind aber hier nicht besonders genannt.
Athyrium alpestre Nyl. war bisher aus dem Erzgebirge nur vom Fichtel¬
und Keilberge bekannt. Im Sommer 1902 fand ich ihn auf dem Gottes-
gaber Spitzberg (H. = 1115 m) und 1903 auch auf dem Auersberg von 900 m
an bis zum Gipfel in mehreren Stöcken.
Fotamogeton obtasifolius M. und K. Herr Professor Dr. Fischer- Bam¬
berg war in diesem Frühjahr so freundlich, die Fotamogeton- Arten unseres
Herbariums einer eingehenden Revision zu unterziehen. Ich teile einige
auf sächsische Arten bezügliche Ergebnisse derselben hier mit. Die obige
Art ist im Herbarium der Flora Saxonica mit folgenden Standorten ver¬
treten: Schönfeld bei Leipzig, Wurzen, Dresden und Umgebung: Moritz¬
burg, Yolkersdorf und Steinbach, Grofsenhain: Skassa und das Vogtland
mit Mühltroff und Schleiz.
F.pusillus L. *Berchtoldi Fieber wurde 1858 und 1861 von Seidel im
Priefsnitztal bei Dresden in Lachen mit Eisenocker gesammelt.
F. Zizii M. und K. ist bereits von König Friedrich August II. im
Egelsee bei Pirna gesammelt und als F. curvifolius bestimmt worden. Er
kommt dort auch heutigen Tages noch vor. Junge Exemplare stehen dem
P. lucens sehr nahe, der im Egelsee in der Varietät acuminatus f. cornutus
auftritt zusammen mit P. gramineus . Ein zweiter Standort dieser als
Bastard zwischen P. lucens und gramineus betrachteten Form liegt in der
Teichgegend nördlich von Radeburg bei Zschorna.
F. polygonifolius Pourr. Die Art ist von den folgenden in Wünsches
Flora nicht angegebenen Standorten in dem Herbarium vertreten: Radeburg
und Medingen und Tauscha bei Radeburg; Königsbrück: bei Glauschnitz
und Bohra; Chemnitz: bei Einsiedeln.
29
Hierochloa odorata Whlbg. soll nach Wünsche bei Lockwitz-Dresden
Vorkommen. Das ist aber sicher nicht der Fall. Die Fundortsangabe rührt
wahrscheinlich von Poscharsky her. Von diesem liegt ein Exemplar mit
der Standortsangabe: Flor. Dresd.: an Bergabhängen im Lockwitzer Grund.
10. Mai 1868! im Herbarium der Flora Saxonica. Wie schon der Stand¬
ort „an Bergabhängen“ andeutet (H. odorata wächst auf Torfwiesen) und
eine vorgenommene Revision bestätigte, liegt hier eine fehlerhafte Be¬
stimmung vor. Die Blütenstielchen sind am Grunde der Ährchen ganz
deutlich behaart. Es ist also die H. anstralis R. und Sch., die hier wächst.
Da nur der eine Standort für H. odorata in Sachsen angeführt wird, so
mufs diese Pflanze als sächsischer Bürger gestrichen werden.
f Beckmannia eruciformis Host. Dresden: im grofsen Gehege (Stiefel¬
hagen).
f Anthoxanthum aristatum Boiss. Dresden : im grofsen Gehege (Stiefel¬
hagen).
Alopecurus pratensis x geniculatus. Kamenz: bei Deutsch -Baselitz
(Stiefelhagen).
Calamagrostis lanceolata Roth. var. Gaudiniana Rchb. Dresden: im
oberen Mordgrund und bei Bühlau (Stiefelhagen).
C. litorea D. C. In Heft XVII der Mitt. d. Thür. Bot. Ver. weist Torges
nach, dafs die sächsische Pflanze vom Muldental bei Nerchau nicht
C. litorea ist, sondern C. Halleriana var. rivalis Torges. Demnach ist
auch diese Art aus unserer Flora zu streichen.
Melica picta C. Koch. Wurde in diesem Frühjahre von Stiefelhagen
an den Zadeler Abhängen bei Meilsen aufgefunden.
Koeleria cristata Pers. zerfällt in zwei Unterarten, in K *ciliata Kern,
und K *gracilis Pers. Die beiden unterscheiden sich durch die folgenden
Merkmale :
Koeleria ciliata Kerner.
Halm 2 — 6 dm, unter der Rispe
dicht kurzhaarig.
Blätter flach, breit, am Rande steif
gewimpert, sonst kahl.
Blattscheiden kahl.
Rispe 8 — 15 cm, oft deutlich gelappt.
Ährchen ziemlich grofs.
Deckspelzen 6 — 7 mm.
Spelzen auf dem Kiele gewimpert-
rauh.
Grasige Plätze.
Koeleria gracilis Pers.
Halm nur 2—4 dm, auch dünner,
unter der Rispe kahl.
Blätter schmal, eingerollt, am Rande
nicht bewimpert, kurz und dicht
weichhaarig.
Blattscheiden kurz und dicht weich¬
haarig.
Rispe 3 — 6 cm, meist schmal.
Ährchen kleiner, nur 2 blütig.
Deckspelzen 3 — 4 mm.
Spelzen auf dem Kiele ein wenig rauh.
Besonders auf Sandfluren.
Wir haben in Sachsen beide Unterarten, doch scheinen sie nicht zu¬
sammen vorzukommen. Im Herbarium der Flora Saxonica liegt K ciliata
von folgenden Standorten: 1. Plauenscher Grund, auf sonnigen grasigen
Abhängen, von Vogel 1842 und 1868 gesammelt, und 2. Kaitz bei Dresden,
von Reichenbach fil. An beiden Orten ist es die Varietät Kpyramidata Lam.,
als welche sie auch von den Sammlern bestimmt worden ist. Ein dritter
im Herbarium vertretener Standort liegt aufserhalb Sachsens bei Gera.
Hier wurde die Pflanze 1889 von Drude auf sonnigen Höhen mit Veronica
latifolia und Medicago falcata gefunden.
BO
K. * gracilis scheint ihre Hauptverbreitung im Elbhügellande zu haben.
Sie wurde bei Blasewitz auf sandigen Fluren mit Elymus arenarius , auf
dem Heller, im Ostragehege und den Elbwiesen, bei Löbtau, auf der Bosel
und im Triebischtale bei Meifsen, bei Lommatzsch nach der Elbe zu und
bei Königsbrück gesammelt. Sonst ist nur noch ein Standort aus Sachsen,
nämlich Leipzig, zwischen Gohlis und Lindenau (Fritzsche), im Herbarium
vertreten. Die genauere Verbreitung der beiden Unterarten ist noch fest¬
zustellen.
Poa annua L. var. supina Rchb. Diese montane Varietät kommt
nicht nur im Böhmerwald, sondern auch, wie seit langem bekannt, auch
im Erzgebirge vor. Ihre Verbreitung daselbst ist aber noch genauer fest¬
zustellen. Im Herbarium der Flora Saxonica liegt nur ein vom König
Friedrich August II. 1839 auf dem Keilberge gesammeltes Exemplar, das
von Reichenbach bestimmt wurde. In des letzteren Flora Saxonica werden
Wiesenthal und Zinnwald und von Heynhold Carlsfeld im Erzgebirge als
Standorte genannt. Ferner gibt Celakovsky in seinen „Resultaten der
botan. Durchforschung Böhmens im Jahre 1885“ an: „bei Abertham, be¬
sonders auf dem Plateau unter der Plefsberg-Koppe, in Menge auf Triften
und Wegen“.
Die Varietät unterscheidet sich von Poa annua durch die gröfseren,
breiteren, auffallend violett überlaufenen Ährchen.
Poa alpina L. Wird seit Sendtner als Bürger des Bayrischen Waldes
angegeben, wo sie auf dem Arber am Enzianrücken bis zum Hochstein
und am Lusen wachsen soll. Celakovsky bezweifelt dieses Vorkonlmen.
Er schreibt in seinen Resultaten für 1886*): „Überdies ist mir das Vor¬
kommen auf dem Arber zweifelhaft geworden, da ich früher und heuer
auch mein Sohn, beide ganz vergeblich am Arbergipfel nach ihr gesucht
und nur Poa pratensis dort vorgefunden haben“. Daraufhin untersuchte
ich die im Herbarium der Flora Saxonica unter P. alpina liegenden Exemplare
vom Böhmerwald und fand unter ihnen keine einzige P. alpina. Es sind
alles niedere Formen der P. pratensis. Am häufigsten ist die von Ehrhardt
und Reichenbach als humilis bezeichnete Form vertreten (s. Reichenbach:
Jcones I, Taf. 88, Fig. 1651), die Ascherson und Gräbner (Synopsis II, 1,
S. 433) neuerdings als var. subcoerulea bezeichnen. Sie wurde am Arber,
Osser und Rachel gesammelt, wo sie nach den Etiketten sowohl in den
Spalten der Gipfelfelsen als auch in die Nardus- Rasen eingesprengt vor¬
kommt. Die Form findet sich übrigens auch auf der Jeschkenkuppe und
im Erzgebirge. Sie ist leicht kenntlich an den an der Spitze kappenförmig
zusammengezogenen, ganz glatten blaugrünen Blättern und ebenso gefärbten
Ährchen. Am Arbergipfel wächst aufser dieser Form auch noch die etwas
höhere Varietät anceps Gaud., wie schon Celakovsky in den obigen „Re¬
sultaten“ angibt.
Mit diesen Feststellungen soll nun keineswegs gesagt sein, dafs die
P. alpina im Böhmerwald nicht Vorkommen könnte. Aber sie bestärken
jedenfalls die Zweifel Celakovskys. Wie in unserem Falle kann auch den
früheren Angaben eine Verwechslung zu gründe liegen. Da aber das Vor¬
kommen der P alpina im Böhmerwalde pflanzengeographisch sehr wichtig
ist — für ihr Indigenat im ganzen hercynischen Florenbezirk kommt ja
*) Ich bin durch eine Notiz in Ascherson und Graebners Synopsis auf die Stelle auf¬
merksam gemacht worden.
31
einzig und allein dieses Gebirge in Frage — so würden wir für die Ein¬
sendung von Exemplaren aus dem Böhmerwalde an das Herbarium der
Flora Saxonica sehr dankbar sein.
Festuca rubra var. planifolia Hack. Dresden: bei Plauen auf Schutt
(Stiefelhagen).
Bromus patulus M. und K. Meifsen: Elbkies bei der Karpfenschänke
(Stiefelhagen).
Triticum intermedium Host var. campestre A. und G. f. vaginis inferi-
oribus hirsutis nach der Bestimmung von Hackel. Meifsen: oberhalb der
Knorre an Weinbergsmauern (Stiefelhagen).
Rhynchospora alba Vahl. Die atlantischen Rhynchospora- Arten haben
ihre Hauptverbreitung in Sachsen in der nördlichen Lausitz (s. d. Karte in
Drudes hercynischem Florenbezirk). Während nun Rh. fusca bei uns auf
dieses Gebiet beschränkt ist, tritt Rh. alba südlich und westlich davon an
zerstreuten Standorten besonders im angrenzenden Elbhügellande auf, so
bei Meifsen, Weinböhla, Dresden, Pillnitz und Königstein. Reichenbach
gibt noch weitere Fundstellen im Tharandter Wald, bei Leipzig, Chemnitz
und Schneeberg an. In der Umgebung der letzteren Stadt erreicht Rh. alba
sogar das Bergland. Der Standort „Bärenwalde nach Ober-Crinitz zuu
wird ca. 500 m hoch liegen. In der gleichen Höhe bei 500 m fand ich
Rh. alba im Sommer 1903 westlich von Schneeberg nördlich von dem
Dorfe Lindenau an einem Teichrand in einem Sphagnetum mit Drosera
rotundifolia. An diese beiden hochgelegenen Standorte schliefst sich ein
dritter von Lehrer Naumann am Filzteich bei Kirchberg in 370 m Höhe
aufgefundener an.
Heleocharis ovata R. Br. Diese Art trat im letzten Sommer in einem
trocken liegenden Teiche bei Pausa im Vogtlande sehr zahlreich mit Juncus
supinus und Polygonum * tomentosum Schrnk. auf. Der Standort ist für
das sächsische Vogtland neu; der nächste mir bekannte Standort befindet
sich in dem Plothener Teichgebiet bei Schleiz und ist in der Luftlinie 20 km
entfernt. Die dort mit der Binse vergesellschafteten Arten, wie Potentilla
norvegica , Scirpus maritimus und Carex cyperoides fehlen aber hier voll¬
ständig.
Carex stricta Good x vulgaris Fr. f. supervulgaris. Dresdener Haide :
am schwarzen Teich (Stiefelhagen).
C.gracilis Curt x stricta Good f. supergracilis. Meifsen: am Zschaschen-
dorfer Graben (Stiefelhagen).
Lilium Martagon L. Döbeln, von Professor Stübner den 13. Juni 1903
aufgefunden und in Belegexemplaren an das Herbarium der Flora Saxonica
eingesandt. Über den Standort berichtet Herr Professor Stübner: Etwa
1,5 km südlich von Döbeln auf zwei eng begrenzten Gebieten rechts und
links der Mulde; der rechts gelegene Standort zum Rittergute Hermsdorf,
der links gelegene zum Rittergute Ebersbach gehörig. Beide Orte am oberen
Talrande im Gehölz. Der Standort war bisher im Herbarium noch nicht
vertreten.
Cypripedium Calceolus L. Als Standort für diese Pflanze wird in
den Floren das Kirchenholz von Dohna angegeben. Doch ist die Pflanze
dort nicht mehr zu finden und auch nicht erst in den letzten Jahr¬
zehnten ausgerottet worden, wie ein Brief beweist, der sich in den Akten
zur Flora Saxonica befindet. Auf Veranlassung des damaligen Prinzen
Friedrich August hatte Reichenbach im Jahre 1832 von Pflanzenkennern
32
Dohnas Nachforschungen nach Melittis Melissophyllum und Cypripedium
Calceolus anstellen lassen. Er erhielt darauf am 31. Mai 1832 einen Brief
von dem Knabenlehrer J. G. Meinelt -Dohna, in dem sich die folgende auf
Cypripedium bezügliche Stelle findet: „Das Cypripedium Calceolus ist jetzt
in dem Kirchenholze zu Dohna beinahe gar nicht mehr zu finden, indem
demselben so nachgestellt worden ist, dafs fast kein Exemplar, wenigstens
kein blühendes mehr, zu entdecken ist. Jedoch habe ich sogleich bei dem
hiesigen Herrn Pastor M. Gerschner nachgefragt; dieser hat ein blühendes
in seinem Garten stehen. Ihre Königliche Hoheit können daher diese
Pflanze bei demselben in Augenschein nehmen. Auch wird derselbe es
zur hohen Gnade anrechnen, dieselbe Ihro Königlichen Hoheit verehren
zu können“.
Rumex *arifolius All. Die Art, die man wohl besser als Varietät oder
Subspezies bei R. Acetosa unterbringt, wird in den Floren von den meisten
deutschen Mittelgebirgen, vom Harz, Thüringer- und Böhmerwald und den
Sudeten, aber nicht vom Erzgebirge angegeben. Da wir nun, sowohl Herr
Geheimrat Drude wie auch ich, bei unseren Exkursionen im Erzgebirge
die Form dort öfters antrafen, diese auch von anderen Sammlern aus dem
Erzgebirge im Herbarium der Flora Saxonica liegt, so achtete ich in diesem
Jahre etwas genauer auf ihr Vorkommen und ihre Charaktere und konnte
folgendes feststellen: Die erzgebirgische Pflanze unterscheidet sich in ihren
Blättern absolut nicht von denen der übrigen hercynischen Bergländer
und der Sudeten. Wir haben auch bei ihr die charakteristischen, seiden¬
papierartig-weichen, kahlen Blätter, die am Blattgrunde 5 — 7 vorspringende
Nerven fast aus einem Punkte fächerförmig entsenden. Die abstehenden Spiefs-
lappen sind stumpf oder kurz bespitzt. Die stengelständigen Blätter,
namentlich die oberen, sind scharf zugespitzt, bei R. Acetosa dagegen
stumpflich. Die unteren und mittleren Tuten (Nebenblätter) sind bis 1,5 cm
lang, vollkommen ganzrandig, oben gestutzt oder stumpf. Die oberen
Tuten sind kürzer, entweder einfach und ganzrandig oder vollständig in
2 oder 3 Zipfel geteilt, die zugespitzt oder abgerundet sein können und
an getrockneten Exemplaren gewöhnlich zurückgeschlagen sind. Gezähnte
oder franzig zerschlitzte Tuten finden sich jedoch auch am oberen Stengel
nicht. Celakovsky gibt ferner in seinem Prodromus von den Tuten an:
„zur Blütezeit schon zerstört“. Das ist bei den erzgebirgischen Pflanzen
nicht der Fall, sowohl die unteren wie die oberen sind vorhanden. Die
Zwei- und Dreiteilung der oberen Tuten würde als einziges Merkmal an¬
zuführen sein, das die erzgebirgische Form von dem typischen R. arifolius
unterscheidet. Da aber solche Zersplitterungen der Tuten auch anderwärts
beobachtet worden sind — Pospichal schreibt z. B. in seiner Flora des
österreichischen Küstenlandes „Tuten ganzrandig oder nur die untersten
zerschlitzt“ — , so müssen wir die erzgebirgische Form auch zu R. * ari¬
folius stellen.
Sie umsäumt im oberen Erzgebirge meist in Gesellschaft von Homo-
gyne , Mulgedium und Luzula maxima die Bergbäche in schattigen Schluchten,
tritt aber auch auf die Bergwiesen hinaus. Um den Fichtelberg und Keil¬
berg ist sie über 900 m gar nicht selten.
\Amaranthus albus L. Dresden: an der Marienbrücke (Stiefelhagen).
Silene gallica L. Dresden: Plauenscher Grund (Stiefelhagen).
Helleborus viridis L. Bei Weesenstein unter Haselgebüsch in Gesell¬
schaft von Asarum , Hepatica und Primida elatior zahlreich, anscheinend
38
wild (J. Ostermaier). Garcke gibt in seiner Flora von Deutschland einen
zweiten, weder von Wünsche noch von Frenkel erwähnten Standort in der
Nähe dieses neuaufgefundenen an, nämlich Grofs-Cotta unweit Pirna. Ob
die Pflanze hier wohl noch vorkommt?
fLepidium virginicum L. Dresden: am Altstädter Elbquai und im
Plauenschen Grunde (Stiefelhagen).
| Brassica elongata Ehrh. Dresden: Plauenscher Grund (Stiefelhagen).
f Cakile maritima Scop. Dresden: am Berliner Bahnhof (Stiefelhagen).
Sedum purpureum Link. Zschopautal: bei Kriebstein (Stiefelhagen).
Trifolium striatum L. Mühlberg: bei Boragk (Stiefelhagen).
Geranium divaricatum Ehrh. Meifsen: Zadeler Abhang kopiös mit
Myosotis sparsiflora (Stiefelhagen).
Erica Tetralix L. Dresden: am Funkenteich bei Weinböhla, der bis
jetzt bekannte südlichste Standort in Sachsen (Stiefelhagen).
Melittis Melis sophyllum. L. wurde von Professor Stübner bei Döbeln
gesammelt und dem Herbarium der Flora Saxonica überwiesen mit der
Etikette: Rechtes Muldenufer in lichtem Laubgehölz des Hermsdorfer
Waldes, eine halbe Stunde südlich von Döbeln. Es ist das wahrscheinlich
derselbe Standort, den bereits 1891 Leonhardt auffand. Ein von letzterem
eingesandtes Herbarexemplar trägt nur die Standortsangabe „bei Döbeln“,
eine zweite von Hofmann 1892 gesammelte Pflanze dagegen die nähere
Bezeichnung „Döbeln: Abhänge an der Mulde“. Ein zweiter Standort
dieser schönen Labiate in jener Gegend wurde 1890 von Leonhardt ent¬
deckt, nämlich zwischen Döbeln und Riesa bei dem Dorfe Ostrau.
Veronica Dillenii Crantz = * campestris Schmalh. Kamenz: Sand¬
felder bei Deutsch-Baselitz (Stiefelhagen).
Achillea *setacea W. und K. Mühlberg: bei Boragk (Stiefelhagen).
Cirsium canum M. B. Leipzig: am Bienitz an verschiedenen Stellen
(Stiefelhagen). Der Standort wird auch von den Leipziger Spezialfloren
nicht angegeben. Ob die Art sich dort erst in jüngster Zeit angesiedelt
hat oder nur übersehen worden ist?
C. canum M. B .xpalustre Scop. Leipzig: am Bienitz (Stiefelhagen).
C. heterophyllum All .xpalustre Scop. Tal der Wilden Weifseritz
bei Pretzschendorf (Stiefelhagen).
C. acaule All. x canum M. B. Meifsen: Nasse Aue (Stiefelhagen).
Mulgedium alpinum Cass. Wurde im Juli 1903 von J. Ostermaier im
Weifseritztal zwischen Edle Krone und Barthmühle in Gesellschaft von
Ranunculus platanifolius , Cirsium heterophyllum und Mimulus luteus auf¬
gefunden. Der Standort ist durch seine niedere Höhe (350 m) bemerkenswert.
Im Anschlufs an die obigen Phanerogamen sei zum Schlüsse noch der
Auffindung einer recht seltenen montanen Alge gedacht, nämlich der zu
den Phaeophyceen gehörigen Lithoderma fontanum Flah. Sie ist erst im
Jahre 1883 von Flahault-Montpellier als Süfs wasserbewohner entdeckt und
beschrieben worden und bisher nur von wenigen Standorten (Südfrankreich
und Böhmen) bekannt. Doch teilte mir Herr Professor Schmidle mit, dafs
die Alge in den Schwarzwaldbächen der höheren Gebirgsgegend und in
Bächen der Alpen häufig ist. Auch im Erzgebirge ist sie, wie ich vor
einigen Wochen konstatieren konnte, weiter verbreitet. Ich habe sie am
28. Mai 1904 bei Frauenstein in dem Becherbach, einem Zuflufsbache der
Wilden W7eifseritz noch bei 740 m gefunden. Schon im Jahre 1898 hatte
*
34
ich auf einer Exkursion im Erzgebirge am Fichtelberg in 1100 m Höhe
auf den überfluteten Steinen eines rasch fliefsenden Gebirgsbaches schwarze,
etwas schleimig sich anfühlende Krusten beobachtet und aufgesammelt,
über deren Natur ich damals nicht ins Klare kam. Im vorigen Sommer
suchte ich nun jene Stelle nochmals auf und fand auch die Krusten wieder.
Sie treten in dem Bache an der Südost-Seite des Fichtelberges (Jungfern¬
grund) von 1000 — 1100 m auf allen festliegenden und überfluteten Gneifs-
blöcken und Geröllstücken als schwarze Flecken auf, die zuweilen an den
Rändern etwas grünlich schimmern, heben sich also von dem hellen Gestein
sehr deutlich ab. Die Gröfse ist sehr verschieden, von 1 qcm bis 2 qdm
alle Übergänge. Kleine Krusten sind kreisförmig. Wachsen einzelne Krusten
zu gröfseren Flecken zusammen, so zeigen sie häufig einen gekerbten Rand,
den einzelnen Krusten entsprechend. Sie sitzen auf den Steinen sehr fest
auf, so dafs man mit dem Messer nur kleine Brocken abkratzen kann. Da¬
durch unterscheiden sie sich leicht von den nur lose aufsitzenden Häuten
von Phormidium subfuscum Ktz. (tab. phycol. I, t. 45), die ähnliche Stand¬
orte am Fichtelberg hat.
Unter dem Mikroskop erscheint die Alge von der oberen Fläche ge¬
sehen als ein parenchymatisches Gewebe, in welchem grüne und farblose
Zellen mit einander abwechseln. Zerdrückt man mit dem Deckglas die
Massen, so sieht man grüne und farblose Zellreihen fächerartig gruppiert.
Häufig finden sich auch die farblosen, stark lichtbrechenden birnenförmigen
Sporangien, welche sich leicht von den Zellreihen loslösen und frei im
Präparat umherschwimmen. Ihre Gröfse beträgt 18 — 24 in der Länge
und 8 [j. in der Breite. Herr Prof. Flahault-Montpellier bestätigte freundlichst
meine Bestimmung.
Y. V olksdichte - Schichtenkarten
in neuer, mathematisch begründeter Entwurfsart.
Von H. Wiechel, Oberbaurat in Dresden.
Mit 1 Karte.
Die Einwohnerzahlen oder Bevölkerungszahlen von Ortschaften, Be¬
zirken oder Ländern lassen sich auffassen als Gröfsen erster, zweiter oder
dritter Potenz, je nachdem man sich die Personen vorstellt als aneinander¬
gereiht, oder indem man jeder Einzelperson ein und denselben fest be¬
stimmten Einheitsflächenraum anweist und damit die Volksgröfse in einer
Ebene als Fläche ausbreitet, oder endlich indem man die Person als räumliche
Einheit auffafst, diese Einheiten aufeinander türmt und damit die Be¬
völkerungszahlen in ein körperhaftes Belief verwandelt, das wie ein Berg¬
relief durch gleichabständige Schichten gleicher Volksdichte geschnitten und
damit in der Karte dargestellt werden kann.
Als lineare Gröfse aufgefafste Bevölkerungszahlen sind kartographisch
nicht verwertbar, dagegen läfst sich die Ausbreitung der Volkszahl als
Fläche mit einiger Vorsicht zu kartenartigen Darstellungen verwenden, wenn
man den Flächen solche Formen gibt, die an die Umrisse der betreffenden
Länder erinnern. Derartige Kartogramme, die man Volksmengekarten
nennen könnte, sind bisher noch nicht allgemein gebräuchlich*) geworden;
sie scheinen aber als treffliches Mittel der zeichnerischen Veranschaulichung
der Beachtung wert zu sein. Da derartige Karten sich der mathematischen
Behandlung völlig entziehen und lediglich mit den Hilfsmitteln der karto¬
graphischen Technik und zeichnerischen Taktes weiter ausgebildet werden
können, kommen sie hier nicht in Betracht.
Das Bevölkerungsrelief hat man bisher ausschliefslich dadurch gebildet,
dafs man sich gewisse kleinere oder gröfsere Landesflächen nach gewissen
Gesichtspunkten abgrenzte, hierauf die auf diese Flächen entfallende Volks¬
menge ermittelte und endlich die auf die Flächeneinheit entfallende Be¬
völkerungszahl und damit die Volksdichte berechnete. Das so gebildete
Bevölkerungsrelief hat hiernach das Ansehen eines Waldes von Prismen,
von Kristallen, die dicht aneinandergereiht in verschiedenen Höhen neben-
*) Als Beispiel ist zu erwähnen: Kartogramm zur Beichstagswahl, zwei Wahl¬
karten des deutschen Beiches in alter und neuer Darstellung von Dr. H. Haack und
H. Wiechel. Gotha 1903.
36
einander stehen. Wollte man eine derartige Darstellung vom mathematischen
Standpunkte aus verfeinern, so bliebe für eine wissenschaftliche Behandlung
nur die Auffindung von Grundsätzen, nach denen die Grundflächen ab¬
zugrenzen wären, übrig. Volksdichtekarten in ihrer vollendetsten Form
werden sich auf die Ortseinwohnerzahlen stützen. Alle Karten, die auf
gröfsere Bewohnermengen abgeleitet sind, können offenbar nur als Ab¬
schwächungen der vorgenannten Dichtekarten gelten. Aus diesem Grunde
soll hier nur auf Ortseinwohnerzahlen Rücksicht genommen werden.
Als Grundfläche der Ortseinwohnerprismen bietet sich zunächst die
Ortsflur dar. Nicht immer aber sind Flurgrenzen in den Spezialkarten
eingetragen, nicht immer kann die grofse Mühe der Flächenberechnung für
jede Flur aufgewendet werden; dann wird man sich genötigt sehen, auf
willkürliche Abgrenzung der Grundfläche zuzukommen. Quadrate, Bienen¬
zellenform, Dreiecke usw. sind vorgeschlagen worden. Besonders gut eignen
sich gleichflächige Paralleltrapeze, weil man dann wenigstens zwei Trapez¬
seiten von Fall zu Fall den topographischen Anforderungen ändern und
dadurch diesen besser anpassen kann. Man könnte nun versuchen, aus
den Ortseinwohnerzahlen der Nachbarorte ein Motiv zur Gewinnung der
Abgrenzung der Grundflächen für jeden Ort in folgender Weise abzuleiten.
Theorie des Ortseinflufskreises.
Man kann sich eine Einwohneranhäufung nicht nur als ein totes Volumen,
sondern auch als eine lebendige Kraftquelle vorstellen, etwa nach Art der
Anziehungskraft oder des Lichtes. Diese beiden Kräfte strahlen vom Ver¬
breitungsherde nach allen Seiten gleichmäfsig in den Raum aus. Die Stellen,
welche eine Kraftwirkung (Helligkeit) von gleicher Gröfse erfahren, liegen
vom Verbreitungsherd nach allen Seiten gleichweit entfernt, folglich auf
einer Kugelfläche. Da nun in wfacher Entfernung die Kugelfläche die
n2 fache Gröfse hat, so werden sich, wenn man die Kraftwirkung auf die
Flächeneinheit der gedachten Kugelflächen bezieht, die Kraft- (Helligkeits-)
^tel tel < 1
Anteile bei wfachem Abstande nicht auf — sondern auf -5 abmindern,
n
was, aus der Anschauung abgeleitet, den allbekannten Satz liefert, dafs
die Anziehung oder die Lichtstärke umgekehrt proportional dem Quadrate
des Abstandes ist. Stellen wir nun einmal die Einwohneranhäufung als
Wärmequelle, Glühlampe oder sonstige Kraftquelle vor, so liegt der wesent¬
liche Unterschied darin, dafs die Wirkungen der Volksmenge unmöglich
als nach allen Seiten wirkend vorausgesetzt werden darf.
Der Form der menschlichen Tätigkeit entspricht offenbar die Hypothese,
dafs ihre Fernwirkung sich überwiegend auf der Erdoberfläche vollzieht,
besser. Dann aber erfolgt die Ausstrahlung mathematisch gefafst lediglich
in einer Ebene; dann mindert sie sich nur im Verhältnis der ersten Potenz
des Abstandes. Hiernach ist die Fernwirkung einer Einwohneranhäufung
zunächst selbstverständlich direkt proportional ihrer Gröfse und sodann
umgekehrt proportional dem Abstande des untersuchten Punktes. Für einen
Ort nützt diese Betrachtung nichts, weil sie zu einer Grenze der Fern¬
wirkung überhaupt nicht führt; sowie aber zwei Orte untersucht werden,
tritt sofort eine wertvolle gegenseitige Beziehung an dern Punkte ein, wo
die Fernwirkungen beider Orte gleich grofs sind. Hier liegt offenbar ein
unanfechtbarer Grenzpunkt zwischen den beiden Orten, der in kausalem
37
4.
xL
rpi 7712
tu 1 — Ü/2
Es ist das eine quadratische
Gleichung, die einen Kreis vor¬
stellt, dessen Mittelpunkt (Fig. 2)
im Abstande z
K _ E\
• z~a E\ — El
auf der sc-Achse liegt und dessen
Halbmesser r die Gröfse hat:
El —El
6.
E1EC
r = a — - •
772 7712
tu ! - tu 2
Fig. /.
Zusammenhänge mit der Gröfse und dem Abstande der Orte steht. Vielleicht
führt diese wissenschaftlich korrekte
Hypothese ein Stück weiter.
Zwei Orte (Fig. 1) mit den Ein¬
wohnerzahlen E1 und P2 stehen um a
von einander ab. Der Ort eines zu
untersuchenden Punktes P, der gleich¬
starke Fern Wirkungen von Et und E2
erfährt, wird bestimmt durch die
Beziehung E1: P2 = d±: d2. Offen¬
bar mufs es eine ganze Beibe solcher
Orte geben, die auf einer gewissen
Kurve liegen, deren Gleichung sich
nach Fig. 1 aus den drei Bedingungen
1. E1: E^ = d±: d2 oder E± d2 = E2 dv
2. d]=y2-\-x‘1,
3. dl = y2- \- (x — a)2
ableiten läfst zu
■* + y* — » an. ,,.P ^ = 0.
f \uMre/s Fi9 3
Wie leicht zu ersehen ist,
gestatten die einfachen Verhält¬
nisse folgende Konstruk¬
tion (Fig. 3).
Werden die Einwoh¬
nerzahlen E± und P2 als
Längen in die Ebene der
Figur nach oben und unten
umgeklappt, die Propor¬
tionalitätslinien DFQ ,
PPG, HGQ und HPF
gezogen, so schneiden sich
die Punkte P und Q ab,
die den Durchmesser des
gesuchten Einflufskreises
zwischen sich fassen.
Mit den höchst ein¬
fachen Konstruktionslinien der Fig. 3, also mit ein paar Strichen, ist
man imstande, den Einflufskreis, in welchen der stärkere Ort den schwä-
EpE,
38
cheren einschliefst, zn zeichnen. Da zudem das Verfahren von so hand¬
greiflicher Klarheit und nicht zu übertreffender Einfachheit ist, so kann
man wohl annehmen, dafs der Bearbeiter das Verfahren zuverlässig vor
Augen behalten kann, wird doch nicht mehr verlangt, als bei Bestim¬
mung des Schwerpunktes in einem Dreieck. Es ist noch hervorzu¬
heben, dafs zwar in einem gewissen Punkte dieses Kreises die dortige
Fern Wirkung beider Orte gleich grofs ist, dafs aber die Gröfse der Fern¬
wirkung in verschiedenen Punkten des Kreises eine verschiedene ist.
Dieser Kreis ist also nicht entfernt als Linie gleichförmiger Stärke der
Fernwirkung aufzufassen, sondern er begrenzt das Gebiet, auf das ein Ort
kraft seiner Einwohnerzahl und seines Abstandes seinem Nachbarort
gegenüber sozusagen das stärkere Einflufsrecht hat.
Den Vorgang könnte man sich unter einem Bilde vergegenwärtigen.
Die Einwohner des gröfseren Ortes beständen aus 3000 Soldaten, die des
kleineren aus 500. Beide Truppen wären in den Ortsmitten dicht zusammen¬
gezogen. Auf Kommando schwärmten beide Truppen radial nach allen
Richtungen gleichförmig aus und machten erst dann Halt, wenn in der
Peripherie der Schützenkette am Treffpunkte auf beiden Seiten gleicher
Schützenabstand oder gleiche Gefechtsstärke, das ist gleiche Dichte herrschte.
Am schnellsten würde der Stillstand auf der Ortsverbindungslinie erfolgen;
dort hätte auch die Schützenkette die gröfste Dichte.
Praktische Anwendung des Ortseinflufskreises.
Wollte man das gefundene einfache Verfahren wiederholen, indem man
zwischen den Orten immer weiter fortschreitend Fern Wirkungskreise zöge
und so die gesetzmäfsig abgegrenzten Gebiete für die einzelnen Orte auf¬
fände, auf die man nun mit vollstem Recht ohne jedwede Willkür die Ein¬
wohnerzahl zu beziehen und mit denen man die Dichteberechnung vor¬
zunehmen hätte, so würde man trotz der tadellosen und immerhin einfachen
Theorie zu Ergebnissen gelangen, die leider den Anforderungen der Zeichen¬
technik recht wenig entsprechen.
Zunächst macht sich schon eine empfindliche Unsicherheit insofern
geltend, als es dem Belieben in ziemlich hohem Grade überlassen bleiben
mufs, welches Ortspaar aus dem ganzen Sternhimmel von Orten vor uns
auf der Karte wir in Beziehung zu einander zu setzen haben. Die Wahl
scheint uns einfach, ist es aber in der Praxis durchaus nicht. Man käme
in dieser Beziehung einen Schritt weiter, wenn man alle Orte als Punkte
eines Triangulationsnetzes ansehen und zu je dritt verbinden würde. Das
Problem wäre dann zurückgeführt auf die Bearbeitung von lauter Orts¬
gruppierungen zu drei. Aber auch diese Auffassung nützt nichts, da innerhalb
der Dreiecke drei Einflufskreislinien nebeneinander liegen oder durcheinander
schneiden und nichts klar bestimmt ist, als die Abschnitte auf den Drei¬
eckseiten. Wollte man sich mit diesen Grenzpunkten begnügen und daraus
Grenzfiguren und die Orte konstruieren, so käme man zu Grundflächen
von wesentlich höherem Werte als die gegriffenen Polygone; indessen dürfte
die Konstruktion und langwierige nachfolgende Berechnung der gefundenen
Grundflächen kaum die Mühe lohnen, weil eben ein tadelloses Verfahren
auch auf diese Weise nicht erzielt worden ist und ohne übermäfsigen
mathematischen Apparat auch nicht erzielt werden kann.
39
Volksdiehte-Sehiehtlinien nach Ravn, 1857.
In dem statistischen Tabellenwerke des Königlich Dänischen Statistischen
Bureaus vom Jahre 1857 befinden sich Karten von Dänemark in 1 : 1920000
mit Dichteschichten in Abständen von 500 Einwohnern auf 1 Quadratmeile
(9 Einwohner auf 1 Quadratkilometer), deren Entwurf vom Marineleutnant
Ravn in folgender Weise ausgeführt worden ist.
Die Grenzen der Pfarreien wurden, wenigstens für Jütland und die
Inseln, in Spezialkarten eingezeichnet, die Schwerpunkte der Flächen
ermittelt, hier senkrechte Linien errichtet gedacht und auf dieselben die
Einwohnerzahlen aufgetragen. Alle Endzahlen dieser Lotlinien bestimmen
eine kontinuierliche krumme Fläche, deren Darstellung durch Schichtkurven
erfolgte. Im genannten Gebiete wurden auf diese Weise 1700 feste Punkte
bestimmt, was offenbar eine sehr hohe Summe von Arbeit erfordern mufste.
Dem Verfahren haftet aber neben der Mühseligkeit noch die Ungenauigkeit
an, dafs der Rauminhalt des so gewonnenen Volksreliefs nur dann richtig
wäre, wenn die Lotlinien sämtlich gleichen Abstand untereinander hätten,
was aber nicht der Fall ist. Haben aber die Achsen der einzelnen Be¬
völkerungsprismen ungleiche Abstände, sind mit anderen Worten die Volks¬
prismen von ganz verschiedener Breite, so ist es unrichtig (Fig. 4), den
Ausgleich der wechselnden Volksprismenkristalle durch eine kontinuierliche
krumme Fläche durch die Endpunkte P der Prismenachsen zu legen, viel¬
mehr mufs in jedem Einzelfall die für den Ortspunkt richtige Kote des
Ausgleichslinie nach Ravn, f me d(^rjgcjitjjiej2_Ajj.s^^
Volksreliefs nach Fig. 4 in wenn auch einfacher Weise, doch aber erst be¬
stimmt werden. Die wirkliche Ausgleichslinie, welche die beiden benachbarten
Rechteckhälften in ein gleichflächiges Trapez zusammenschmilzt, mufs durch
die Punkte 0 gezogen werden. Solcher Ausgleichslinienzüge gibt es un¬
endlich viele; jede einzelne ist aber in ihrem ganzen Verlauf durch Wahl
eines aufserhalb der Mittelpunkte 0 gelegenen Punktes, z. B. P1 festgelegt.
Wie grofs die Abweichungen bei dem Ravnschen Verfahren anwachsen, ist
aus der Fig. 4 deutlich zu ersehen.
Das Ravnsche Verfahren würde nur anwendbar sein, wenn man sich
die Mühe machen wollte, die wichtigen Ausgleichslinien aus Profilen nach
Art der Fig. 4 zu entwickeln, was für die Praxis ausgeschlossen ist.
Theorie des Bevölkerungskegels.
Der Aufbau der Bevölkerungsmenge erfolgte bisher prismenartig auf
gewissen geschlossen aneinander gelegenen Grundflächen. Um die Härten
40
der schroff wechselnden Türme und Löcher des zerrissenen Profils eines
solchen Volksreliefs abzumildern, hatte man sich bemüht, nachträglich
Ausgleichsflächen zu konstruieren. Dieser Vorgang ist aber, wohlverstanden,
immer nur ein sekundärer, die prismatische Grundform mufs immer durch¬
leuchten und kann niemals einen vollen Erfolg zulassen. Der Bevölkerungs¬
grundkörper für die Ortschaft selbst mufs von vornherein gerundet oder
schräg abgedacht aufgebaut werden. Da nur die einfachsten geometrischen
Formen und mathematischen Ausdrücke verwendbar sind, kann nur der
gerade Kreiskegel in Frage kommen, dessen Inhalt sich so einfach wie
der eines Prismas in Zahlen darstellt.
Ganz ausgeschlossen ist es offenbar, auf die alten, dicht nebeneinander
abgegrenzten Polygongrundflächen oder Ortsfluren anstatt der Prismen
nun Pyramiden zu bauen, weil zwischen je zwei Pyramidenspitzen die Volks¬
dichte auf Null herabsinken würde.
Nachbar
Einfluß
Bei der Wahl des Kreises
als Grundfläche ist das bisherige
dichtgeschlossene Nebeneinander
aller Grundflächen unmöglich; soll
ein kontinuierliches Belief gebildet
werden, so müssen vielmehr die
Grundkreise sich vielfach über¬
schneiden, die Bevölkerungskegel
selbst sich durchdringen und da¬
mit auftürmen. Je gröfser der
Grundkreis angenommen wird, um
so mehr Orte werden von ihm ein¬
geschlossen, um so zahlreicher sind
die Durchdringungen der über je¬
dem Einzelort aufgebauten Volks¬
kegel, um so mehr gleichen sich
somit die Unterschiede aus, um
so sanfter werden die Übergänge
der Oberfläche des Volksreliefs
ausfallen. Der überm äfsigen Aus¬
dehnung des Grundkreises sind
also insofern gewisse Grenzen ge¬
setzt, als die Reliefformen zu ver¬
schwommen, zu verwaschen wer-
und als die Konstruktionsarbeit mit
der Zunahme der Zahl der Durchdringungen
(Auftürmungen) stark zunimmt. Für die
Verhältnisse in Mitteleuropa dürfte ein
Grundkreis von 30 Quadratkilometer
Fläche, innerhalb dessen etwa 4 bis 10 Ort¬
schaften zu liegen kämen, genügen. Eine
solche Kreisfläche , der 3,09 Kilometer
Halbmesser entspricht, bietet den Vorteil
dar, dafs nach der Kegelvolumformel für
diesen Grundkreis
30 h __ £
3
41
die Höhe h des Volkskegels über einem Orte, also die Volksdichte in der
Ortsmitte, gleich dem zehnten Teile der Ortseinwohnerzahl ist.
Schreibt man daher in der Mitte jeder Ortschaft den zehnten Teil der
Einwohnerzahl in die Karte, so hat man sofort das Netz der Volksdichte¬
zahlen, aber wohlgemerkt, ohne den auftürmenden Einflufs der sich durch¬
dringenden Nachbarkegel. Die Summierung des Volumens zweier sich
durchdringender Kegel ist eine einfache Aufgabe, besonders wenn man sich
auf die Ermittelung der Aufhöhung im Mittelpunkte des zu untersuchenden
Ortes beschränkt, eine Mafsnahme, die hier, wo es sich zunächst um die Ab¬
leitung der richtigen Dichtekoten für den Ort selbst handelt, nahe genug liegt.
Aus Eig. 5 ergibt sich, dafs sich die Aufhöhung x über dem Orte o1
verhält zur Höhe h2 des Kegels über den Nachbarort o2 wie die Strecken
a2 o1 zu a2 o2, Da nun a2 o± = o2 b und a2o2 = b o1 ist, so findet man den
einfachen, anschaulichen Satz: „Auf die Aufhöhung über dem untersuchten
Orte o1 entfällt ein Anteil der Dichte im Nachbarorte o2, der dem Anteil
des Abstandes o2 bis zum Grundkreisrande an der Länge des Grundkreis¬
halbmessers entspricht“. Ist also h o2 ein Fünftel des Halbmessers, so be¬
trägt die Aufhöhung in o1 ein Fünftel der Dichtezahl (Kegelhöhe) in o2.
In der Zeichenpraxis gestaltet sich die Ermittelung der endgültigen
Dichtezahl eines Ortes einfach genug, da man für jeden Ort nur die Rand¬
abstände (Eig. 6) gegen den Halbmesser abzuschätzen und die Dichtezahlen
der einzelnen Nachbarkegel in diesem Verhältnis zu reduzieren braucht.
Durch Zuzählung dieser nachbarlichen Anteile zur Dichtezahl des Zentralorts¬
kegels erhält man die gesuchte Dichtezahl des Volksreliefs. Liegt die erwähnte
Vorarbeit des Eintragens der zehnten Teile aller Ortseinwohnerzahlen in die
Ortsmitten vor, so läfst sich diese Summenbildung mit wenig Zahlennotizen,
nach Befinden sogar im Kopfe ausführen, währenddem man die Schenkel des
im Mittelpunkt eingesetzten Zirkels über die Nachbarorte wandern läfst.
Die Form der Dichteschichtlinien.
Über die Gestalt der Kurven der Auftürmungen läfst sich hier, wo es
sich in erster Linie um eine kartographische Aufgabe handelt, am einfachsten
graphisch Aufschlufs erhalten. Man beginnt mit der Zerlegung der Einzel¬
kegel in ein System von Dichteschichtlinien nach dem Vorgang der Höhen¬
schichtlinien. An allen Durchschnittspunkten der beiden zum Teil auf¬
einander liegenden Dichteschichtlinien-Systeme ergibt sich der Wert der
Auftürmung ohne weiteres durch Summierung der Schichthöhenzahlen. So
bildet sich ein Netz von Punkten (Fig. 7) und es erübrigt nur, die gleich¬
hohen Koten zu verbinden, um die Dichteschichtlinien der Auftürmung
innerhalb des Gebietes der Durchdringung der Kegel zu erhalten. In gleicher
Weise lassen sich die Einflüsse eines dritten und weiterer Kegel auf die Auf¬
türmung darstellen. Legt man dann verschiedene Hilfsprofile durch das
so gewonnene Relief, so lehrt der Augenschein, dafs die Oberflächen der
Auftürmungen auch Kegelmänteln angehören, deren Achsen aber nicht
mehr lotrecht stehen, sondern eine schiefe Lage haben, wie die Kegel Kx
und X2 in Eig. 7 zeigen. Alle Dichteschichtlinien sind also ebenso wie alle
Dichtereliefprofile aus Kegelschnittlinien zusammengesetzt.
Einzelpersonalkegel.
Das Material an Einwohnerzahlen, das der Bearbeitung zu Grunde liegt,
ist sehr verschiedenartig: neben den Dörfchen von kaum hundert Bewohnern
42
die Grofsstadt mit ihrer Riesenflur. Zeichen technisch wird man, um zu
wahrscheinlichen naturwahren Darstellungen zu kommen, nicht umhin können,
die Orte mit hohen Einwohnerzahlen zu zerlegen, sie aufzufassen als eine
Gruppe nahe zusammenliegender Einzelorte; man wird auf die Stadtteile,
auf Strafsengruppen oder sonst ausgesonderte Gebietsteile des grofsen Ortes
zurückgreifen müssen. In der Zeichenpraxis findet dieses Teilungsverfahren
bald seine Grenze, ebenso wie man mit der Ausdehnung des Grundkreises
nicht zu weit gehen durfte. Wissenschaftlich ist es aber von Interesse,
wenigstens für die geometrisch einfache Kreisfläche, innerhalb der die Volks¬
menge der Stadt gleichförmig verteilt angenommen werden soll, mit der
43
Zerteilung weiter zu gehen und diese bis zur äufsersten Grenze, also bis
zur Einzelperson oder, mathematisch gedacht, bis zu einem unendlich kleinen
Teil der Einwohnerzahl zu steigern.
Stellt man sich die Einwohner eines Ortes nicht mehr wie bisher im
Mittelpunkt des Ortes konzentriert, sondern innerhalb eines Kreises aus¬
gebreitet vor, so liefert die auf die Flächeneinheit desselben bezogene Volks¬
menge einen bekannten Begriff, die Wohndichte. Es ist nun von Interesse,
die Beziehungen zwischen der Wohndichte und der auf Grund unserer
Einwohnerkegel -Hypothese bei Zerlegung bis zum Differentialkegel ge¬
wonnenen Volksdichtereliefs zu verfolgen.
Die Einwohnerzahl E verteilt sich im Ortswohnkreise vom Halbmesser
To so, dafs auf die Flächeneinheit die Volksmenge W (Wohndichte) entfällt.
1. W =
E t
nr\
Auf das unendlich kleine Flächenelement g- dco -dg (Fig. 8) entfällt als
Anteil der Einwohnerzahl
E
2 . W- g • dco • dg — — 2 Q • • dg-
7i n
Auf diesen unendlich kleinen Teil der Einwohnerschaft wenden wir die
Kegeltheorie an, indem wir auf dem Grundkreise vom Halbmesser r einen
Kegel von der Höhe x auf bauen, dessen Volumen den Wert hat:
TC V~ ^
3. x~n == — ^g-do-dg.
3 TV Tq s
Handelt es sich wie bisher so auch
hier zunächst darum, die Volksdichte
in der Mitte des Ortskreises zu finden,
so wird wie bisher der aufhöhende Ein-
flufs hx des im Abstande r — g vom Grund¬
kreisrande (Fig. 8) über der Fläche dco -dg
aufgebauten Kegels mit der Höhe x auf
die Ortsmitte ausgedrückt durch:
, 7 r — g
4. hx = x - ■ •
r
Die aus der Natur der Aufgabe ge¬
folgerten Beziehungen 1 bis 4 lassen sich
in folgenden Ausdruck zusammenziehen :
hx = (r — <?) Q ■ de ■ dm ■
Die auf die Ortsmitte entfallenden
Anteile hx aller Elementarkegel sind nun durch Integration zu summieren,
um zu der Höhe H des Bevölkerungsreliefs oder der Volksdichte in der Orts¬
mitte zu gelangen.
rn / 2 rv
3 E
E
F,g.8.
H O <1 o
tvz Tq r
q) dg • dco.
5
H =
2 r„\
Sr)
44
Je mehr sich die anfänglich im Ortsmittelpunkt vereint gedachte (r0 = 0)
Einwohnermenge radial in Gestalt einer Ortskreisfläche auf der Karte räumlich
ausbreitet, um so gröfser in Formel 5 ro wird, um so weiter sich der Basis¬
kreis des Bevölkerungsreliefs, der alle Elementar-Grundkreise umhüllt, aus¬
dehnt, um so mehr schrumpft die Höhe H des Reliefs in der Ortsmitte
zusammen.
Nimmt der Ortskreis die Gröfse des Grundkreises an, wird r0 = r, so
flacht die Mittenhöhe auf ein Drittel ab, während der Basiskreis den Halb¬
messer verdoppelt, also die Fläche vervierfacht, immer verglichen mit
dem Zustand für r0—0. Hieraus ist sofort klar, dafs die Volksmenge¬
reliefs über kreisförmigen Orten nicht gerade Kegelmantelflächen haben
können, sondern dafs sie durch Kurven begrenzt sein müssen (Fig. 9).
Wächst der kreisförmige Ort über den Grundkreis für die Ortsmitte
hinaus, wird r0 gröfser als r, so bleibt die über den Grundkreis hinaus
gelegene ringförmige Ortsfläche (Fig. 10) bezüglich Erhöhung der Volksdichte
in der Ortsmitte ganz aufser Betracht; die Formel 5 gilt ihrer Ableitung
nach nur bis r0 = r. Offenbar sondert sich dann eine der Ringbreite ent¬
sprechende kreisförmige Kernfläche aus, in der überall dieselbe Dichte
herrscht; das Dichterelief zeigt also über diesem Kern plateauartige Form.
Es ist nun von Interesse, dafs innerhalb dieses Kernkreises, der für r0 = r
45
als Punkt beginnt, die nach der Kegeltheorie abgeleitete Volksdichte sich
deckt mit der Wohndichte. Hierin zeigt sich eine Stärke unserer Theorie;
denn läfst der ältere Begriff der „Wohndichte“ die Bewohnerschaft des
Ortes als Kreiszylinder ohne jedweden Übergang erscheinen, so stellt sich
die nach der Kegeltheorie konstruierte „Volksdichte“ wohl im mittleren
Teile der Grofsstadt, wie es der Volks Verteilung auch entspricht, völlig
oder nahezu als Wohndichte dar, anschliefsend verflacht sich aber das
Volksmengerelief nach streng gesetzmäfsigen Zahlenverhältnissen, so einen
tadellosen Übergang herstellend.
Fig.ll
Dichte Schichtlinien für langgestreckte Dörfer.
Langgestrekte Orte lassen sich empirisch durch Zerlegung in einzelne
Glieder behandeln; indessen ist auch
diese Aufgabe der feineren Auffassung
durch Anwendung des Personalkegels
zugänglich. Ersetzt man, um hier den
einfachsten Fall zu behandeln, den Ort
durch eine gerade Linie L , auf der die
Volksmenge E gleichförmig verteilt ist,
so kommen auf die Längeneinheit ^
Einwohner, folglich auf die kleine
Länge dx (Fig, 11) ein Anteil der Ein-
E
wohnerzahl — dx, der als Volumen in
E
einem Dichtekegel von der Höhe z
unterzubringen ist:
E7 n E-
Ldx = ~Y
Z.
1. z =
3 E
dx.
n r'a L
Dieser Elementarkegel übt nun seinem Abstande x von der zu unter¬
suchenden Mitte der Volksmengelinie entsprechend in dieser Mitte die
Aufhöhung lix aus.
2. hx — z -
Aus beiden Gleichungen folgt:
3 E
hx =
n r°-
(r — x) dx.
Alle Anteile hx summiert liefern die Höhe H:
L
T 7= JA
n r3 L
3. H —
x) dx.
3 E
Ti r 2
46
Dieser Ausdruck ähnelt demjenigen für die Mitte der Ortskreisfläche
aufserordentlich. Für L = 0 entsteht die Grundformel der Kegeltheorie; für
L = 2 r (Fig. 12) nimmt der Ort den Durchmesser des Grundkreise sein, die
Volksdichte sinkt dann in der Mitte auf die Hälfte herab. Wächst L weiter,
so bildet sich analog den Verhältnissen bei dem Ortskreis ein horizontales
geradliniges Gratstück im Volksmengerelief aus, an das sich die Kurven
des Übergangsgebietes anschliefsen, wie es in Fig. 12 dargestellt ist.
Am Zeichentisch des praktischen Kartographen wird man sich mit der
Annäherung begnügen, die sich ungezwungen in Gestalt der Zerlegung
der Einwohnermengen solcher Wohnplätze, die sich nicht mehr als in
einem Punkte konzentriert vorstellen lassen, darbietet. Weitergehende
mathematische Anforderungen würden der Einbürgerung des Verfahrens
nur hinderlich sein; indessen dürfte die im vorstehenden keineswegs aus¬
geführte, sondern nur angedeutete feinere Behandlung der aus dem Grund-
47
gedanken der Volksmengekegel- Theorie herauszulösenden Probleme dem
Mathematiker willkommenen Stoff darbieten, zumal das hiermit betretene
Gebiet überhaupt noch wenig angebaut zu sein scheint.
Bemerkungen zur Volksdichtekarte von Sachsen*).
Einige kurze Bemerkungen über die Herstellung der beiliegenden Volks¬
dichtekarte dürften beim Entwurf ähnlicher Karten mit Nutzen Verwendung
finden.
Über die Mittelbachsche Karte in 1:120000 wurde Pauspapier ge¬
spannt und über jede Ortsmitte der zehnte Teil der Einwohnerzahl (unter
Ausschlufs von Dezimalen) schwarz eingeschrieben. Gröfsere Städte und
lange Dörfer wurden in Teile zerlegt und nur diese Teilzahlen an gehöriger
Stelle eingetragen. Hierauf begann die Summierung der Nachbareinflüsse;
deren Ergebnis wurde unter Zuzählung des Zentralortes als rote Zahl dicht
unter die schwarze Zahl geschrieben. Der für den Zweck der Karte nun
erforderliche Genauigkeitsgrad ergibt sich während der praktischen Aus¬
führung der Arbeit; dabei hat man sich stets zu vergegenwärtigen, dafs
man nicht genauer zu rechnen braucht, als es dem Genauigkeitsgrad der
übrigen graphischen Manipulationen entspricht. Die bis hierher nötigen
Arbeiten sind zumeist mechanischer Natur und können durch geschulte
Hilfskräfte ausgeführt werden.
Der Entwurf der Dichteschichtlinien kann nun beginnen, eine Arbeit
von hohem Beiz, wenn sich unter der Hand die Volksanhäufungen, die
öden . Intervalle überraschend gestalten, wenn sich die Volkskörperform in
immer klareren Zügen herausmodelliert. Besonders wertvoll ist das Vor¬
handensein zweier Zahlen für jeden Ort, einmal der Dichtezahl für den
Ort allein und darunter der Zahl für den Ort einschliefslich der Nachbar¬
einflüsse. Die Bedeutung der Doppelzahl liegt darin, dals die Führung der
Schichtlinien um den Ort an allen Stellen, wo Nachbarortskreise den Grund¬
kreis nicht überschneiden, z. B. an Waldrändern, sich lediglich nach dem
Volksmengekegel für den Ort richtet und nur das Überschneidungsgebiet,
also die Zone der Aufhöhung der um den Nachbareinflufs vermehrten Orts-
diclitezahl folgt.
Eine oft wünschenswerte Hilfe liefert auch die Erwägung, dafs das
Verfahren ebenso wie für die Ortmitten für jeden beliebigen Zwischenpunkt
der Karte mit gleichem Rechte angewendet werden kann, denn dieser Zwischen¬
punkt läfst sich als ein Ort von der Einwohnerzahl 0 ansehen; man mufs
dann auch 0 in der Karte schwarz eintragen und darunter den ermittelten
Nachbareinflufs rot schreiben. Namentlich in spärlich besiedelten Gebieten,
wo Zweifel über die Linienführung auftauchen, ist eine solche Hilfe beim
Entwurf der Dichteschichten sehr willkommen und kaum zu entbehren, da
man in der Praxis nicht Zeit und Lust hat, sich die betreffenden Kegel¬
schnittslinien tatsächlich mathematisch genau zu konstruieren.
Um das Überströmen des Einflusses der Städte über die Aufsengrenze
des bewohnten Stadtgebietes hinaus nicht zu weit auszudehnen und dadurch
*) Die Karte ist von der Redaktion der Zeitschrift des K. Sächsischen Statisti¬
schen Bureaus, der sie in Heft 3/4 des 50. Jahrganges 1904 einer näher auf die Ver¬
teilung der Bevölkerung Sachsens eingehenden Abhandlung des Verfassers beigegeben
ist, zur Veröffentlichung in den Sitzungsberichten und Abhandlungen der „Isis“ in
dankenswerter Weise überlassen worden.
\
\
48
das Volksdichtebild der meist landwirtschaftlichen Umgebung zu trüben,
wurde der Grundkreis für alle Zahlen, die Städten angehörten, auf die Hälfte
seines Durchmessers, also auf 1,54 Kilometer herabgesetzt; infolgedessen mufste
bei der Schichtlinienkonstruktion jede Stadtzahi mit 4 vervielfältigt werden.
Um sie kenntlich zu machen wurden alle Stadtzahlen unterstrichen. Bei
Ermittelung des Nachbareinflusses auf Stadtzahlen mufste infolgedessen
getrennt vorgegangen werden. Die ländlichen Orte wurden für sich allein
behandelt und auf das so gewonnene rein dörfliche Dichterelief das mit
halbem Grundkreis entwickelte städtische Dichterelief für jede einzelne
Stadt aufgetürmt, das heifst die beiden Dichtezahlen addiert. Dies Ver¬
fahren hat sich durchaus bewährt und die aufgewendete Mühe nur ganz
unbedeutend gesteigert.
In der erwähnten, sehr leicht ausführbaren Kombination von Volks¬
mengekegeln verschieden grofsen Grundkreises und in der dadurch ermög¬
lichten Anpassung an verschiedenartige Verhältnisse liegt ebenfalls eine
Stärke des vorgeschlagenen Verfahrens.
Weitere Verfeinerung liefse sich in die Dichtekarte tragen, wenn für
jeden Ort landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Einwohnermenge
getrennt vorläge; dann würde man eine Dichtekarte der rein agrarischen
Bevölkerung entwerfen und auf diese auf halbem oder noch kleinerem Grund¬
kreis die nichtagrarische mehr geschlossen wohnende Bevölkerung aufbauen.
Wählt man einen solchen Industriegrundkreis von 3 Quadratkilometer
Fläche und 0,977 Kilometer Halbmesser für die nichtagrarische Volksmenge,
so würde die Volksmengezahl selbst ohne weiteres die Volksdichte im Mittel¬
punkt des betreffenden Orts anzeigen, während die agrarische Volksmenge
auf den Normalgrundkreis von 3,09 Kilometer Halbmesser erst durch zehn
geteilt werden mufs, um die Volksdichte zu erlangen.
Noch soll auf die Ableitung von Volksdichteprofilen aus der Schicht¬
karte hingewiesen werden. Zu allen den Betrachtungen, die man an einem
Gebirgsprofil anstellen kann, wird man auch durch die Dichteprofile an¬
geregt. Der Wert derartiger Darstellungen steigert sich sehr wirksam durch
Nebeneinanderstellen von Darstellungen aus verschiedenen Jahren und Uber¬
einanderzeichnen der zugehörigen Volksdichteprofile in eine Figur. Mit
Händen greifen läfst sich dann der eigenartige Vorgang des Wachstums
der Städte, der Industriebezirke, der Bahnknotenpunkte, der Häfen und
andererseits das Rücksinken abgelegener Gebiete bis zur rein landwirt¬
schaftlichen Volksdichte. Auch die letztere wird man abhängig finden von
der Güte der Böden, der günstigen Lage.
Zum Schlufs ist aber eindringlich darauf hinzuweisen, dafs vor prak¬
tischer Anwendung der Zeichenmethode bei Kartenentwürfen es unerläfslich
ist, zahlreiche Vorstudien als Skizzen gröfsten Mafsstabes im
Sinne der Fig. 7 zu entwerfen, um sich über die mannigfachen Formen, die
aus den Kegelauftürmungen enstehen, aus eigener Anschauung Rechenschaft
zu geben. Auch diese Vorstudien entbehren wegen der Eigenartigkeit des
Problems nicht eines gewissen Reizes.
Taf. I.
Volksdichteprofil,
darunter
Farbonerklärung der Volksdichteschichten.
Vol ksdichte- Schichten karte
des
Königreiches Sachsen
nach der
Zählung vom 1. Dezember 1900.
Entworfen
von H. Wiechel, Dresden.
Die Volksdichte wurde ermittelt
Grundkreisen:
a) für Landgemeinden
b) für Stadtgemeinden
Umgegend von Dresden
nach der Zählung vom 3. Dezember 1846.
VI. Sektion für reine und angewandte Mathematik S. 11. — Heger, R: Kugel¬
koordinaten und sphärische Kegelschnitte S. 11. — Krause, M. : Besprechung neuer
Literatur S. 11. — Hohn, K.: Flächen mit vier Scharen kongruenter Parallelkurven
S. 11. — Weinmeister, Ph.: Stereometrische und kinematische Modelle S. 12. —
Wiechel, H.: Mathematische Theorie der Volksdichtekarten S. 11.
TU. Hauptversammlungen S. 12. — Kassenabschlufs für 1903 S. 12, 18 und 16. —
Voranschlag für 1904 S. 12. — Veränderungen im Mitgliederbestände S. 14. — Geschenk
an die Bibliothek S. 12. — Conwentz, H.: Schutz der natürlichen Landschaft, ihrer
Pflanzen- und Tierwelt, vornehmlich in Sachsen S. 13. — Dietel, E.: Lichtbilder
aus China S. 12. — Drude, 0.: Denkmal für M. J. Schieiden, Bedeutung Schleidens
für die Botanik S. 12; neuere Anschauungen über die Physiologie der Befruchtung
im Pflanzenreich S. 13; Bedeutung der ökologischen Morphologie und Pflanzengeo¬
graphie S. 14; Gründung eines Bundes „Heimatschutz“ S. 13 und 14.’— Engel¬
hardt, H.: Geologische Entwicklung des Südwestens von Deutschland S. 13. —
• Hampel, W.: Die chemischen Elemente S. 12. — Kalkowsky, E.: Salzgehalt des
Ozeans S. 14. — Naumann, A.: Lichtbilder aus Dalmatien und Bosnien S. 12. —
Ausflug nach Meifsen und Umgebung S. 14.
B. Abhandlungen.
Deninger, K.: Uber .europäische Zwergvölker. S. 11.
Petrascheck, W.: Über die jüngsten Schichten der Kreide Sachsens. S. 3.
Rebenstorff, H. : Über Eigenschaften der Kollodium membran. Mit 4 Abbildungen
im Text. S. 15.
Schorle r, B.: Bereicherungen der Flora Saxonica im Jahre 1903. S. 28.
Wiechel, H.: Volksdichte -Schichtenkarten in neuer, mathematisch begründeter Ent¬
wurfsart. Mit 12 Abbildungen im Text und 1 Karte. S. 35.
Die Verfasser sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer
Abhandlungen .
Die Verfasser erhalten von den Abhandlungen 50, von den Sitzungsberichten auf
besonderen Wunsch 25 Sonderabzüge unentgeltlich, eine gröfsere Anzahl gegen Er¬
stattung der Herstellungskosten.
Sitzungskalender für 1904.
September. 29. Hauptversammlung.
Oktober. 6. Prähistorische Forschungen. 13. Mathematik. 20. Botanik und Zoologie.
27. Hauptversammlung.
November. 3. Botanik. 10. Mineralogie und Geologie. 17. Physik, Chemie und Physio¬
logie. 24. Hauptversammlung.
Dezember. 1. Zoologie. 8. Prähistorische Forschungen. — Mathematik. 15. Botanik.
22. Hauptversammlung.
Die Preise für die noch vorhandenen Jahrgänge der Sitzungs¬
berichte der „Isis“, welche durch die Burdach’sche Hofbuch¬
handlung in Dresden bezogen werden können, sind in folgender
Weise festgestellt worden:
Denkschriften. Dresden 1860. 8. . . 1 M. 50 Pf.
Festschrift. Dresden 1885. 8. ....... . , . . 3 M. — Pf.
Schneider, 0.: Naturwissensch. Beiträge zur Kenntnis der
Kaukasusländer. 1878. 8. 160 S. 5 Tafeln . . . 6 M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1861 . . . . . . . . . . . 1 M. 20 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1863 . . . . 1 M. 80 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1864 und 1865, pro Jahrgang . . 1 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1866. April-Dezember . . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1867 und 1868, pro Jahrgang . . 3 1. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1869. Januar -September . 2 1. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1870. April-Dezember . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte Jahrgang 1871. April-Dezember . . . . . 3 I. — Pf,
Sitzungsberichte. Jahrgang 1872. Januar-September . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte, Jahrgang 1873 bis 1878,. pro Jahrgang . . 4M. — Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1879. Januar- Juni ...... 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte. Jahrgang 1880. Juli-Dezember . . . . . 3 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1881 bis 1884,
1886 bis 1903, pro Jahrgang . . . . . . . . . 5 M. — Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jahrgang 1885 . . . . 2 M. 50 Pf.
Sitzungsberichte und Abhandlungen. Jalirg. 1904. Januar- Juni 2 M. 50 Pf.
Mitgliedern der „Isis“ wird ein Rabatt von 25 Proz. gewährt.
Alle Zusendungen für die Gesellschaft „Isis“, sowie auch
Wünsche bezüglich der Abgabe und Versendung der „Sitzungs¬
berichte der Isis“ werden von dem ersten Sekretär der Gesell¬
schaft, d. Z. Hofrat Prof. Dr. Beichmüller, Dresden- A., Zwingef-
gebäude, K. Mineral.- geolog. Museum, entgegengenommen.
Die regelmäfsige Abgabe der Sitzungsberichte an aus¬
wärtige Mitglieder und Vereine erfolgt in der Regel entweder
gegen einen jährlichen Beitrag von 3 Mark zur Vereins¬
kasse oder gegen Austausch mit anderen Schriften, worüber
in den Sitzungsberichten quittiert wird.
Druck von Wilhelm Baensch in Dresden.